Zusammenfassung:
Hexenholz und Silberseide (Jahr 43)
(ACHTUNG SPOILER)
Kapitel 01: Verloren und Vergessen
Windschild ist eine regnerische Küstenstadt, in der fast ausschließlich Menschen beheimatet sind, andere Völker sieht man hier nur selten. An einem verregneten Morgen erwacht eine in Winterkleidung gehüllte Frau mit Gedächtnisverlust in einer Gasse. Sie läutet an den magischen Glöckchen des nächstbesten Hauses um in den Wohnungen nachzufragen, ob jemand etwas mitbekommen hat. Die alte Frau die auf den Balkon weit über ihr tritt versteht sie jedoch nicht und der Hausmann einige Stockwerke darunter wird hysterisch und wirft einen steinernen Dekofrosch nach ihr. Die Erinnerungslose flieht mit der Befürchtung, dass sie in der Gasse vielleicht nicht das Opfer, sondern die Täterin gewesen ist.
Kapitel 02: Gesehen und Gefunden
Auf einem großen Platz kommt sie zum Stehen. Sie will eine Gruppe Herumstehender nach dem Weg zur Wache fragen, doch die Gruppe fürchtet einen Fluch und flüchtet. Verzweifelt darüber, dass sie eine böse Hexe sein könnte, fällt die Namenlose auf die Knie und erblickt dabei ihr Spiegelbild in einer Pfütze. Nun versteht sie weshalb die Menschen abweisend auf sie reagieren, denn sie erkennt, dass sie eine lebendige Holzpuppe mit schaurig starrem Gesicht ist. Die Frau zieht einen ihrer Handschuhe aus um sicher zu gehen und der Verdacht bestätigt sich. Ihr Antlitz in ihre Hände vergraben bleibt sie auf dem Boden hocken, bis sich zwei Passanten von hinten nähern. Der gutherzige Mann namens Miro erkundigt sich nach dem Wohlbefinden der Erinnerungslosen, doch die versucht ihn abzuwimmeln, bevor er noch erkennt, was sie ist. Seine naive Freundin Enni hockt sich jedoch neben sie und sieht aus der Nähe die hölzerne Hand. Die Holzpuppe ist enttarnt, doch die beiden reagieren relativ gemäßigt. Miro bietet seine Hilfe an und will die Holzpuppe seiner Frau Rina vorstellen, die ein Händchen dafür hat Probleme zu lösen. Gemeinsam machen sich alle drei auf den Weg zur Wohnung von Miro und seiner Frau.
Kapitel 03: Auf Holz geklopft
In der Wohnung richtet Enni die durchnässten Haare der Holzpuppe, wobei sie in deren Nacken eine Gravur mit dem Namen Sandy-Mei entdeckt. Im Gespräch stellen die beiden außerdem fest, dass Sandy-Mei auffallend detailreiches Wissen über das Schneiderhandwerk besitzt. In der Stube finden sich alle vier zusammen. Sandy-Mei erfährt, dass sich ein schauriges Rätselspiel seit Generationen großer Beliebtheit in Windschild erfreut. Neben ihrer Erscheinung sind es vor allem auch diese Hexenholz-Geschichten, die den Menschen Angst bereiten, wenn sie die Holzpuppe zu Gesicht bekommen. Rina hat einige Namen und Adressen von Personen aufgeschrieben, die Sandy-Mei helfen könnten und Miro hat ein aufmunterndes Gedicht für die Puppe geschrieben. Das Gedicht handelt unter anderem von Freundschaft und diese bieten ihr Rina, Miro und Enni auch sogleich an. Rina will für Sandy-Mei sogar bei Freunden, die ein Gasthaus besitzen, ein Zimmer für die Nacht organisieren. Miro muss zu seiner Schicht bei der Wache aufbrechen und kann Enni so nicht mehr wie geplant beim Kleiderkauf beraten. Da sich Sandy-Mei auszukennen scheint und sich selbst etwas wünscht um ihren Mund, der beim Sprechen gruslig unbewegt bleibt, dahinter zu verstecken, begleitet sie Enni stattdessen.
Kapitel 04: In Seide gehüllt
Enni und Sandy-Mei werden aus allen Schneiderläden, die sie besuchen, herausgeworfen, da niemand etwas mit der Holzpuppe zu schaffen haben will. Nach Stunden landen sie in einer extravaganten Kostümschneiderei. Die Schneiderin Shila ist früher einmal eine Abenteurerin gewesen, die viele Monster mit ihrem Breitschwert erlegt hat. Sie fürchtet sich nicht vor der Holzpuppe und gibt ihr sogar Arbeit als Schaufensterpuppe, da sie weit echter und schöner aussieht, als jede andere Schaufensterpuppe der Stadt. Nur im Laden arbeiten oder sich bewegen darf sie nicht, denn sie soll die Kunden anlocken und nicht verscheuchen. Enni findet ein Kleid, das angepasst werden muss und soll es nach Ladenschluss abholen, während Sandy-Mei bleibt um gleich mit der Arbeit anzufangen. Still im Schaufenster stehend lässt sie sich bestaunen und sieht und hört der ausschließlich wohlhabenden Kundschaft zu. Die einzige Ausnahme bildet eine Amethystelfe, die in einen billigen Mantel gehüllt ist. Sie ist die erste Vertreterin eines anderen Volkes, die Sandy-Mei bisher in der Stadt gesehen hat. Die Elfe fragt nach Silberseide, einem Stoff aus ihrer Heimat, der sanftes Mondlicht ausstrahlt und Shila steigt in den Keller um nachzusehen, ob sie welche hat. Währenddessen schüttet die Elfe der Holzpuppe im Glauben allein zu sein ihr Herz aus. Sie ist eine mittellose Tänzerin in einem Nachtlokal und wird von den Menschen stets wie eine Außenseiterin behandelt. Ein Adliger hat ihr einen gut bezahlten Auftritt angeboten, doch hat sie nur wenig Zeit um das authentische Mondkleid aufzutreiben, das sie dafür tragen soll. Sandy-Mei versteht das Gefühl ausgestoßen zu sein nur zu gut und würde der Amethystelfe gerne Mut zusprechen, doch darf sie es nicht und will ihr auch keine Angst einjagen. Shila kehrt zurück in den Verkaufsraum. Sie hat keine Silberseide vorrätig und eine Bestellung würde länger dauern, als der Elfe Zeit bleibt. Die Tänzerin geht ohne ihren Namen zu nennen und Sandy-Mei kann nur hoffen, dass es leicht sein wird herauszufinden wer sie ist, denn viele Amethystelfen gibt es nicht in der Stadt. Nach Ladenschluss holt Enni wie besprochen das Kleid und ihre Holzfreundin ab. Den Schleier des Tanzkostüms, den Sandy-Mei als Schaufensterpuppe getragen hat, darf sie behalten. Enni und Sandy-Mei gehen zu Miro und Rina. Letztere konnte Sandy-Mei ein Dachzimmer organisieren. Es gehört den Bekannten vom Gasthaus und dient temporär als Möbellager. Sandy-Mei bezieht das Zimmer in dem alle Möbel mit weißen Laken abgehangen sind. Sie macht sich daran ihr weiteres Vorgehen zu planen und Briefe an die Personen auf Rinas Liste zu schreiben um diese vorzuwarnen. Als um Mitternacht eine Standuhr im Zimmer schlägt, erschrickt Sandy-Mei und zählt die Schläge zur Beruhigung mit, es sind dreizehn Stück. Ängstlich befreit sie die Uhr von ihrem Laken. Die Standuhr sieht seltsam aus und ist mit unbekannten Zeichen verziert, das Ziffernblatt zeigt ein Uhr Morgens.
Kapitel 05: Dunkle Folianten
Im laufe der Nacht stellt Sandy-Mei fest, dass sie weder schlafen muss noch kann und so beschäftigt sie sich mit ihren Gedanken und den Briefen. In der nächsten Nacht findet sie heraus, dass die Standuhr um Mitternacht auf ein Uhr Morgens vorspringt, weshalb man dreizehn Schläge hört. In den nächsten Tagen zeigt sich, dass Sandy-Mei das Schneiderhandwerk beherrscht und so arbeitet sie außerhalb der Öffnungszeiten auch als Hilfskraft bei Shila. Als sie etwas Lohn angespart hat, macht sie sich auf den Weg zur ersten Person auf Rinas Liste. Ein Buchhändler namens Benesk, der sich mit alten Sagen auskennt und wissen könnte, wo die Hexenholz-Geschichten einst ihren Ursprung nahmen. Der alte Benesk entpuppt sich als weltfremder Spaßvogel der die Holzpuppe im diesigen Licht und unter ihrem Schleier für eine gewöhnliche Frau hält. Er scheint jedes Buch in seinem Laden auswendig zu kennen und belädt Sandy-Mei mit allerhand Werken über Holz, Magie und Hexerei. Als er zuletzt die Hefte, die passende Hexenholz-Geschichten enthalten, heraussucht, blättert Sandy-Mei in einem der Bücher. Die Zeichnung eines Holzanhängers, der einen Pandabärenkopf darstellt, wölbt sich plötzlich aus dem Buch und spricht mit vielen schattenhaften und doch lauten Flüsterstimmen eine Warnung aus: „Hüte dich vor der Hexe, die die Geisterstunde stiehlt.“ Sandy-Mei ist schockiert, doch Benesk hat nichts hören können. Mit Miros Hilfe schafft sie die Bücher in ihre Dachzimmerwohnung, wo sie ihm von der Warnung und der Uhr berichtet. Da alle anderen Uhren richtig gehen wenn Sandy-Mei am Wochenende zur Mitternacht noch unterwegs ist, verdächtigen die beiden die seltsame Uhr im Dachzimmer. Miro berichtet dem Gasthausehepaar von der Uhr, die dreizehn schlägt und diese lassen sie noch am selben Abend abholen, denn sie soll verbrannt werden.
Kapitel 06: Magische Zahnräder
Sandy-Mei und Rina besuchen die Wissenschaftler Tüftel und Brand, die ebenfalls auf der Lise stehen. Die Mechanikerin Tüftel untersucht die Holzpuppe und stellt einige Details über ihre Beschaffenheit fest. Der Werkstoffmagier Brand hört schweigend zu, bis er sich ein Bild gemacht hat. Dann berichtet er, dass Sandy-Mei etwas mit der alten Magie zu tun haben muss. In der Gegenwart ist die einzige Magie, die noch gewirkt werden kann, die allgemein bekannte Werkstoffmagie, die Zauber in Gegenstände und Materialien flechten kann. Solche Magie könnte zwar eine lebendig erscheinende Holzpuppe erschaffen, jedoch könnte diese keinen eigenen Willen oder eine Persönlichkeit besitzen. Dem Magier fallen nur drei Möglichkeiten ein. Sandy-Mei muss mit der alten Magie entweder so wie sie ist beschworen worden sein, oder sie war einst ein Mensch und wurde verwandelt. Zuletzt wäre es noch möglich, dass sie selbst zu dem mystischen untergegangenen Volk gehört, das die alte Magie wirken konnte. Tüftel und Brand bitten Sandy-Mei ihnen Bescheid zu geben, falls sie jemanden finden sollte, der die alte Magie beherrscht, denn sie benötigen diese für ein Projekt, an dem sie bereits seit Jahren forschen. Windschild hat mehrere hunderttausend Einwohner und ab und an verschwinden Menschen. Vor vielen Jahren ist auch Tüftels Schwester spurlos verschwunden und die Wissenschaftler forschen an einer Methode um Personen aufzuspüren. Zum Schluss überlässt Sandy-Mei dem Magier Brand zu Forschungszwecken noch einige Holzspäne aus ihrem Körper.
Kapitel 07: Kostbare Blumen
Sandy-Mei besucht die Alchemistin Pairena und ihre beiden Liebhaber von denen einer den Namen Kapitän Karnickel trägt. Laut Rinas Liste soll Pairena in der Lage sein eine jede Krankheit zu heilen. Sandy-Mei hofft, dass ihr mit ihrer Amnesie oder sogar mit ihrer hölzernen Existent geholfen werden kann. Pairena kennt keine Krankheit, die Lebewesen in Holz verwandelt, doch sie erkennt das Hexenholz aus einer Enzyklopädie über ausgestorbene Pflanzen. Im Buch gibt es keine Abbildung der gesamten Pflanze, wie bei allen anderen und das gezeichnete Holzstück weist keine Astlöscher auf, als würde es gar nicht von einem Baum stammen. Das Holz soll außerdem in der Lage sein Gefühle zu speichern. Dies deckt sich auch mit einer Information aus einem der Bücher von Benesk. Gegen die Amnesie kennt Pairena eine Blume, deren Anblick Erinnerungen zurück bringen kann, jedoch nur, wenn sie zum Vollmond im Mondlicht erstrahlt. Die Mondfrostblume, auch Silberseidenblume genannt, bildet dann Auswüchse an den Rändern ihrer Blütenblätter, die wie Eiskristalle aussehen. Diese Auswüchse werden von den Amethystelfen auch zur Herstellung von Silberseide genutzt. Die Blume wächst nur in den Elfenlanden, doch Pairi hat kürzlich einige Exemplare erworben. Sie gibt Sandy-Mei einen noch jungen Ableger mit und bietet an, dass sie zur nächsten Vollmondnacht erneut vorbei kommen kann.
Kapitel 08: Alte Ängste und neue Wege
In der Nacht liest Sandy-Mei die Hexenholz-Geschichten und erschaudert dabei zusehends. Als dann von einem Augenblick auf den nächsten auch noch die Mondfrostblume verwelkt, steigt eine unbestimmbare Urangst in ihr auf, die das ganze Wochenende anhält. Um die Furcht auszuhalten verbringt sie die Tage bei Miro und Rina, während Enni ihr nachts Gesellschaft leistet und sie mit Kinderspielen ablenkt. Als die schlimmste Angst überstanden ist, kauft Sandy-Mei ein paar Zimmerpflanzen und stellt tröstlicher Weise fest, dass diese die Nächte in ihrer Nähe überstehen. Auch die Briefantwort von Pairena ist beruhigend, denn auch ihre Mondfrostblumen sind in der selben Nacht verwelkt. Die Alchemistin vermutet eine Krankheit, auch wenn diese ungewöhnlich schnell verlief. Sie will neue Mondfrostblumen besorgen, was in etwa ein halbes Jahr dauern wird. Zurück in der Normalität arbeitet Sandy-Mei gemeinsam mit ihren Freuden eine Idee aus, auf die sie die Mondfrostblume gebracht hat. Statt die Amethystelfe weiter erfolglos zu suchen, will sie dafür sorgen, dass diese selbst zu ihr findet. Sie eröffnet eine eigene Schneiderei, die sich auf authentische Kleidung ferner Kulturen spezialisiert. Ihre Freunde und sie hängen in der ganzen Stadt Plakate zur Eröffnung des Ladens auf, der den Namen „Die Schneiderpuppe“ trägt, denn Sandy-Mei hat beschlossen, dass sie sich nicht länger verstecken will.
Kapitel 09: Allen Hindernissen zum Trotz
Monate nach der Eröffnung findet die Amethystelfe namens Nyaradel eines der Plakate durchnässt im Rinnstein. Sie benötigt das Kleid aus Silberseide längst nicht mehr und auch den Auftritt hat sie letztlich nicht bekommen. Bei dem Namen der Schneiderei denkst sie jedoch sogleich an die schöne Schaufensterpuppe. Sie hofft, dass diese zum Leben erwacht ist, doch glaubt sie nicht daran. Gleichzeitig steht sie vor der Entscheidung ihr ärmliches Leben hinter sich zu lassen und zurück in ihre Heimat zu kehren. Das würde allerdings auch bedeuten ihre Freiheit aufzugeben, denn zuhause ist sie eine Prinzessin, die einem Prinzen der Bernsteinelfen versprochen ist. Das Plakat als Zeichen verstehend macht sie sich auf den weiten Fußweg zur Schneiderei. Als die beiden Frauen einander gegenüber stehen, fällt die von der Arbeit bereits ausgelaugte Nyaradel in Ohnmacht. Sandy-Mei, die inzwischen in ihrem Laden wohnt, kümmert sich um die Elfe und lässt sie im Hinterzimmer ausschlafen. Die beiden sprechen lange miteinander und fühlen eine seltene Verbindung und wachsende Zuneigung füreinander.
Kapitel 10: Holz und Seide
Zur Feier ihrer einmonatigen Freundschaft treffen sich Sandy-Mei und Nyaradel in einem Park. Die Elfe will Sandy-Mei einen geheimen Ort zeigen, doch auf dem Weg begegnen die beiden zwei Kindern. Das Mädchen weint, da ihr Hund davon gelaufen ist und der Junge mit Hund weiß nicht, was er tun soll. Sandy-Mei und Nyaradel helfen den Kindern den verlorenen Hund wiederzufinden, was sie einander noch näher bringt. Sie setzten ihren Weg fort und Nyaradel führt Sandy-Mei durch das Dickicht am Rand des Parks zu einem Stück der alten Stadtmauer. Oben befindet sich ein kleiner vergessener Garten samt Bank, den Nyaradel einst wieder in Ordnung gebracht hat. Er war ein Rückzugsort, an dem sie allein sein konnte, doch nun will sie ihn einzig mit Sandy-Mei teilen. Diese sagt, dass sie nichts dagegen hätte, wenn Nyaradel den Ort irgendwann doch einmal jemand besonderem zeigen will. Sie kann sich nicht vorstellen, dass sie, die bloß aus Holz besteht, diese Person für die Elfe ist. Nyaradel küsst Sandy-Mei und gesteht ihr ihre Liebe. Sandy-Mei empfindet ebenso und die beiden sind von da an ein Paar.
Kapitel 11: Wendepunkt
Die folgenden Tage sehen sich die frisch verliebten kaum, denn Nyaradel muss für eine ausgefallene Tänzerin einspringen. Eine Woche später sind die beiden zu einem Treffen in dem mit Glas überdachten Park verabredet, doch Nyaradel taucht nicht auf. Sandy-Mei sucht an allem Orten, die ihr in den Sinn kommen, bis sie schließlich in dem geheimen Garten auf der alten Stadtmauer nachsieht. Als sie über den Rand der Mauer blick, sieht sie Nyaradel und einen Bernsteinelfen, die sich leidenschaftlich küssen. Sandy-Mei wird Ohnmächtig und stürzt von der Mauer in das Gebüsch. Als sie wieder erwacht ist es bereits dunkel und über sich kann die Holzpuppe hören, dass die beiden Elfen inzwischen miteinander schlafen. Zutiefst verletzt rennt sie ohne Rücksicht auf sich zu nehmen auf direktem Weg durch das Dickicht und die Dornensträucher davon. Als sie den Park hinter sich lässt ist ihr Puppenkleid zerfetzt und auch der Holzkörper hat einige Schrammen abbekommen. Ohne Hoffnung auf eine glückliche Zukunft will sich Sandy-Mei ihrer Vergangenheit zuwenden. Sie hofft, dass es ein Leben gibt, in das sie zurück kehren kann. Ihr fällt ein, dass die neuen Mondfrostblumen allmählich bei der Alchemistin Pairena eingetroffen sein müssten und so macht sie sich noch zu später Stunde auf den Weg zu ihr.
Kapitel 12: Blumensterben
Pairena leiht Sandy-Mei eine der neuen Mondfrostblumen aus, denn bereits in der nächsten Nacht ist Vollmond. Als sich Sandy-Mei auf den Weg zur Wohnungstür macht schlägt es zur Geisterstunde und die Blume im Topf in ihren Händen ist von einem Moment auf den nächsten plötzlich verwelkt. Ein weiterer letzter Glockenschlag erklingt und die Kuckucksuhr an der Wand zeigt ein Uhr morgens. Sandy-Mei dreht sich schlagartig zu Pairena um, doch diese ist verschwunden. Sie findet die Alchemistin tot auf dem Boden liegend, mehrfach mit einer Heckenschere erstochen, die neben ihr liegt. Die Frau ist augenscheinlich bereits länger tot und da erkennt Sandy-Mei, was die Warnung vor der gestohlenen Geisterstunde zu bedeuten hatte. Manchmal wird sie während dieser Zeit ausgeschaltet, wovon sie selbst jedoch nichts mitbekommt. Dieses Mal ist es allerdings das erste Mal geschehen, während sie nicht allein war. Wütend stürmt Sandy-Mei in jeden Raum der Wohnung um sich an der Hexe zu rächen. Diese ist jedoch schon lange fort und hat auch alle anderen Mondfrostblumen zerstört. Sandy-Mei erhofft sich Hilfe von Brand, der sich mit der alten Magie auskennt. Versteckt hinter einem metallenen Kasten wartet sie bei der Werkstatt bis zum Morgengrauen. Sie wird jedoch von einer Paketlieferantin entdeckt, die sich als Enni herausstellt. Wegen dem zerrissenen Kleid und dem Blut darauf macht sich Enni Sorgen. Sandy-Mei will sie jedoch nicht in Gefahr bringen und versucht Enni wegzuschicken und ihr einzureden, dass Brand ihr sicher helfen wird. Enni erinnert Sandy-Mei daran, dass sie am beginnenden Wochenende lange auf die Forscher warten kann. Dann fällt ihr ein Geheimnis ihrer Familie ein, mit dem man ein jedes Problem lösen können soll. Sie rennt weg um etwas zu holen und will sich mit Sandy-Mei draußen vor der Stadtmauer treffen. Am Waldrand übergibt Enni der Holzpuppe einen Kompass, der zur „Weißen Dame“ im Wald führen soll. Diese hatte ihren Vater und ihre Großeltern einst vor dem Hungertod gerettet und seitdem ist ihre Familie reich. Sandy-Mei folgt der Kompassnadel in den Wald.
Kapitel 13: Die weiße Dame
Sandy-Mei benötigt den ganzen Tag und die halbe Nacht, bis sie bei der weißen Dame eintrifft. Diese ist nicht mächtig genug um sich gegen die Hexe zu stellen doch kann sie Sandy-Mei ihre Erinnerungen zurück geben. Sandy-Mei durchlebt ihre verlorenen Erinnerungen von der ersten bis zur letzten, als würden sie real stattfinden. Sie beginnen überraschender Weise in der ersten Nacht in ihrem alten Dachgeschosszimmer. Zur Geisterstude, während sie sich für ausgeschaltet hielt, geht sie durch die Straßen der Stadt und sucht sich ihr erstes Opfer. Sie verwandelt einen Landstreicher in eine kleine Spielzeugpuppe. In ihrem Zimmer schneidert sie ihm einen Anzug und übergibt ihn dann in einem Ritualkreis den Flammen die ihn sofort verschlingen ohne dass auch nur ein Körnchen Asche zurück bleibt. Es folgen noch viele weitere solcher Szenen. Sandy-Mei sieht zu, wie sie selbst die erste Mondfrostblume vergiftet, bis sie bei ihrer letzten Erinnerung angelangt ist. Am eigenen Leib muss sie erfahren, wie sie mehrere Male auf Pairena einsticht und sie ermordet. Sandy-Mei glaubt zu verstehen, dass sie selbst die Hexe ist und bittet die weiße Dame darum sie zu zerstören. Diese legt ihre Hände an die Wangen. Sandy-Mei erstarrt sofort zur Bewegungslosigkeit und neue Erinnerungen durchfahren sie. In diesen ist sie ein ganz gewöhnliches Menschenmädchen namens Demira, das in einem kleinen Dorf lebt. Als junge Frau reist sie nach Windschild. Der Wachmann, der sie gegen Abend registriert, ist Miro und die Frau, die ihr den Weg zum Gasthaus zeigen will ist Enni. Sie führt Demira in eine Sackgasse, wo sie sie in eine bewegungslose Holzpuppe verwandelt. Etwas unterbricht den Zauber jedoch und löst die Starre. Die selben schattenhafte Flüsterstimmen wie jene in Benesks Buchladen rufen in Demiras Geist, dass sie rennen soll. Das tut sie, bis sie zur Geisterstunde in der Gasse, in der die alte Pfeifenpafferin und der Hausmann leben zusammen bricht und ihre Erinnerung verliert. Zurück in der Gegenwart in der Behausung der weißen Dame ist das letzte was Sandy-Mei sieht das hämisches Grinsen der Frau, das über sie hinauswächst, denn auch sie verwandelt sich in eine kleine Spielzeugpuppe. Sandy-Mei haucht ihr Leben aus, während alles Leid, das sie erfahren hatte und von dem sich die weiße Dame ernährt in dem Hexenholz gespeichert bleibt. Die weiße Dame stellt Sandy-Mei zu den anderen Puppen in ihren Schrank. Sie ist erleichtert, dass sie den Zauber, den sie als Enni begonnen hatte endlich beenden konnte. Zwar war es auch praktisch gewesen, dass sie die Holzfrau zur Geisterstunde kontrollieren konnte und so nicht mehr selbst auf die Jagd gehen musste, doch war sie dadurch auch ein großes Risiko eingegangen. Sie hatte viele Personen bezaubern müssen, so wie den Wachmann Miro, der Demira gesehen hatte und dessen Frau. Auch Nyaradels Erinnerungen hatte sie manipulieren müssen, denn die wahre Liebe hätte den Fluch, der auf Sandy-Mei lag, brechen können. Ebenso hatte ihr wahrer Name eine Gefahr dargestellt und so hatte sie den falschen Namen als Enni beim Bürsten in Sandy-Meis Nacken gehext. Durch Sandy-Meis Erinnerungen ist sich die Hexe nun bewusst, dass es noch einen anderen Magier des untergegangenen Volkes, zu welchem auch sie gehört, in der Stadt geben muss, denn dieser hatte den Fluch ursprünglich unterbrochen und mit Schattenstimmen zu der Holzfrau gesprochen. Sie plant den Magier ausfindig zu machen und zu vernichten. Die weiße Dame verlässt ihr Heim, verwandelt sich in die Gestalt von Enni und teleportiert sich über einen Feenring zu einem anderen solchen in der Nähe der Stadt. Von der Wache, die bereits in Sorge um Enni war, wird sie eingelassen und betritt ihr Jagdgebiet.
Epilog: Verronnenes Leid
Jahre später stehen Miro und Rina vor dem Heim der Hexe. Eine Tintenbotschaft aus Schattenstimmen hatte sie zuvor zu einer Mondfrostblume im Wald geführt, die im Vollmond gelöschte Erinnerungen an Enni, Sandy-Mei und Nyaradel zurück brachte. Ein zweiter Kompass, den Tüftel und Brand mit Hilfe von Sandy-Meis Holzspänen gebaut haben, führte das Ehepaar dann zu dem dazugehörigen Holzkörper und so auch zum Heim der Hexe. Die Bewohnerin ist nicht zuhause und Miro findet die kleinen Puppen von Sandy-Mei, Nyaradel und auch von Tüftels vermisster Schwester. Eine Puppe von Enni findet er nicht. Rina und Miro nehmen alle drei Puppen mit und übergeben Tüftel ihre hölzerne Schwester. Jeder der drei trägt von da an stets eine der Puppen bei sich, falls sie irgendwann einmal einem Magier des alten Volkes begegnen sollten, der sie zurück verwandeln kann. Die Magierin mit den Schattenstimmen zeigt sich jedoch niemals, denn wie sie weiß, sind die Holzpuppen nicht mehr zu retten, da ihr Leid bereits aufgezehrt wurde. Durch Miro, Rina und den Kompass ist es ihr jedoch möglich das Heim der weißen Hexe zu finden und damit auch ihre Schwachstelle. Noch in der selben Nacht vernichtet die Magierin die weiße Hexe und befreit Windschild von der Serienmörderin. Die Bewohner der Stadt selbst sollten nie von den Geschehnissen erfahren, die sich um sie herum abgespielt haben.