Der weiße Rabe
(Jahr 33)
Philosophische Fragen und vermeintliche Antworten getarnt unter dem Mantel einer fantastischen Geschichte über eine Reise in die Welt der Fae, wie sich der Autor diese zusammenreimt. Ein anspruchsvolles Buch, das erkenntnistheoretische, metaphysische und wesentliche Fragen des Lebens anspricht und zum Nachdenken anregt, sofern man es vermag zwischen den Zeilen zu lesen. Wenn nicht, ist es bloß ein Kinderbuch über ein Mädchen, das einem sprechenden weißen Raben in eine wunderliche und verrückte Welt folgt.
Aktuell in Überarbeitung
Änderungen vorbehalten, da Buch noch nicht fertig geschrieben
(ACHTUNG SPOILER)
Die kleine Liliana, auch Lili genannt, ist schon groß genug um am Waldrand alleine wilde Beeren zu pflücken. Ein weißer Rabe stört sie dabei, indem er ihr die Beeren aus dem Fingern schnappt. Lili versucht ihn zu ignorieren, bis er ihr sagt, dass sie mit dieser Einstellung das Leben verpassen würde und davon hoppelt. Lili ärgert sich über den Vorwurf und darüber, dass der Rabe gar nicht so ist, wie ein Rabe sein sollte, die falsche Farbe, hoppelt statt zu fliegen und redet auch noch. Sie will sich bei ihm beschweren und rennt ihm immer tiefer in den Wald hinterher. Der weiße Rabe verschwindet in einem Kaninchenbau. Lili schiebt ihren Beerenkorb vor und kriecht hinter ihm in das Loch, bis plötzlich kein Boden mehr unter ihr ist und sie in die Tiefe fällt. Als sie unversehrt unten ankommt, steht sie in einer weiten Winterlandschaft, über ihr nur der Himmel. Augenblicklich fängt sie an in ihrem Sommerkleid zu frieren. Der weiße Rabe, der Iggi heißt, erklärt ihr, dass sie sich in der Welt der Feen befindet und dass sie bloß daran glauben müsse, nicht zu frieren um nicht mehr zu frieren. Der Rabe und die trotzige Lili diskutieren noch eine Weile, bis das Mädchen es schließlich doch versucht. Logisch erklärt sie sich selbst, warum sie ihren Wintermantel und die Stiefel mitgebracht hatte und tatsächlich erscheinen beide. Lili zieht die Sachen an und hört auf zu frieren. Dann will sie zurück nach Hause. Der Rabe erklärt, dass sie auch daran bloß glauben müsse und als sie es versucht, findet sie auch schon der Rückweg vor sich im Schnee. Bevor sie gehen kann hört sie im nahem Wald ein Mädchen weinen. Lili sieht nach dem Mädchen. Es trauert um einen riesigen eingefrorenen Frosch mit Krone. Das Mädchen sagt, sie sei die gute Sommerkönigin und die böse Winterkönigin habe ihren Gemahl, den Frosch eingefroren. Lili ist verwirrt, dass das Mädchen eine Königin und auch schon verheiratet ist. Es erklärt, dass es ja nur daran läge wie alt man sei, wann jetzt ist und sie schlägt vor dorthin zu gehen, wo ihr Gemahl noch lebt. Das bedeutet, dass sie hier vom Winter aus durch den Frühling in ihr Reich den Sommer gehen müssten. Lili pflanzt eine ihrer Beeren in den Schnee um sich glaubhaft zu machen, dass dies der Weg in den Frühling wäre. Aus der Beere wächst ein Busch und der Schnee wird zu Gras. Die Sommerkönigin und Lili treten händehaltend auf das Gras und werden fortgesogen. Lili kann den süßen Frühling schon riechen und das erste mal freut sie sich über die verrückte Welt, die sie langsam doch ganz interessant findet.
Statt im Frühling zu landen, steht Lili allerdings plötzlich in einem Land, das nur aus Süßigkeiten besteht. Die Sommerkönigin ist verschwunden, dafür ist der freche weiße Rabe wieder da. Er erklärt, dass dieses Land zwischen dem Winter und dem Frühling liegt. Es ist das Festland. Der Begriff hat nichts mit der Unterscheidung zwischen einer Insel und dem Land eines Kontinents zu tun, sondern mit Feiern und Festen, zu denen es oft Süßigkeiten gibt. Unter den Zuckerstangen-Bäumen auf einem Steg aus Keksen sitzt eine kleine Fee samt Flügeln und angelt im Schokofluss. Die Fee spricht eine fremde Sprache. Lili versteht die Sprache und merkt, dass sie selbst plötzlich nur noch diese Sprache sprechen kann. Die Sprache ist so anders, dass man sogar anders denkt, wenn man sie benutzt. Die Fee will ihren Namen nicht verraten, sie sagt das dürfe man nicht einfach so tun. Lili fragt sie, ob sie die Sommerkönigin gesehen hätte, denn sie macht sich Sorgen. Die Fee sagt, dass sie das nicht hat, aber dass die Elfen in den Musbergen vielleicht etwas wissen. Lili soll aufpassen, dass sie nicht in die Siruptümpel tritt. Auf dem Weg zu den Musbergen nascht der weiße Rabe immer mehr von den Süßigkeiten, bis er irgendwann so kugelrund gefuttert ist, dass er nicht mehr hopsen kann. Lili trägt den Raben und diskutiert mit ihm. Als sie nicht aufpasst, tritt sie in einen der Siruptümpel und droht langsam zu versinken. Iggi krallt sich fest und fliegt mit Lili aus dem Tümpel heraus. Kugelrund kann er zwar nicht mehr hopsen aber dafür ist er gestärkt und kann fliegen. Lili denkt, dass der Rabe sicher bloß daran glaubt und es deshalb funktioniert und da fällt ihr ein, dass sie auch einfach glauben konnte, dass es nicht mehr weit zu den Musbergen ist. Die kleinen Zuckerguss-Elfen in den Musbergen, die starr sind und dennoch fliegen, wissen in der Tat Rat. Die Sommerkönigin sei mit Sicherheit auf dem Weg über den Frühling in ihr Reich, den Sommer. Das weiß Lili ja eigentlich schon und sie kommt sich ziemlich dumm vor.
Im Frühling sitzt eine menschengroße Fee auf einem noch größeren Fliegenplz. In der Hand hält sie einen Totenschädel, dem sie einen Monolog vorträgt. Hier scheint man wieder normal zu sprechen. Der überfutterte Iggi ist eingeschlafen und kann Lili keine Rat geben und so lauscht sie. Sie entnimmt den Worten, dass der Schädel zur verstorbenen Tochter der Fee gehört, denn die war im Gegensatz zu ihr eine Sterbliche. Die Fee bemerkt Lili und legt den Schädel zur Seite. Sie fragt Lili, ob sie ihr die Hand gibt, was diese auch tut um ihr vom Pilz herunter helfen. Dann fragt die Fee ob Lili ihr auch ihren Namen gib. Lili nennt ihren Namen. Die Fee sagt, dass sie jetzt wo sie ihr die Hand und den Namen gegeben hat, Mutter und Tochter seien und will mit Lili spielen. Lili sagt, dass sie schon eine Mutter hat, doch die Fee beharrt darauf, dass sie ihre einzige Mutter ist. Auf einmal taucht ein Sathyr auf, der ein Versprechen einlösen will, das ihm die Fee einmal gegeben hat. Die Fee flieht kichernd vor dem Sathyr, Lili und der Schädel sind vergessen und bleiben zurück. Iggi wacht auf und weiß sofort, dass Lili jetzt nach den Gesetzten der Feenwelt eine neue Mutter hat. Sie hätte ihr ihren Namen nicht verraten dürfen und wenn der Sathyr nicht gekommen wäre. Wäre Lili beim Spielen ganz schnell zu genau so einem toten Schädel geworden, wie die vorherige Tochter der Fee. Manche Wesen im Feenreich wollen böses, manche gutes und oft kann das selbe Wesen beides wollen, denn es gäbe kein Gut und Böse. Lili versteht das nicht und hat Angst. Sie rennt schnell weiter damit die Fee sie nicht wiederfindet. Lili stolpert in eine Vorlsesrunde. Die Geschichtenweberin, auch Weberin, ist eine riesige Spinne. Ihr hören Feen und Tiere zu. Raubtiere sitzen friedlich neben ihren Beutetieren. Im Buch steht alles geschrieben. Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit nur das alles anders ist. Im Buch steht auch geschrieben, dass Lili, wenn sie an einen Fluss kommt diesem folgen soll bis etwas vorbei schwimmt, dann soll sie darauf springen. Lili und Iggi machen sich auf den Weg. Lili sagt dass es doch das Gute gäbe, wenn sogar Raubtiere neben ihrer Beute sitzen und Geschichten zuhören. Da sagt der Rabe, dass sie sich wieder jagen sobald sie die Leserunden der Weberin verlassen und zurück in ihren Bauten sind, denn die Raubtiere müssten sonst verhungern und so sei es mit allem hier was gut oder böse erscheint. Außer der bösen Winterkönigin und der guten Sommerkönigin natürlich. Lili versteht nun halbwegs was Iggi damit gemeint hat, dass es kein Gut oder Böse gibt. Auch wenn sie sich fragt, warum die falsche Feenmutter ihre Töchter beim Spielen umbringen muss. Sie denkt nicht weiter darüber nach, denn sonst bekommt sie wieder Angst. Die beiden kommen an einen Fluss und folgen dem Lauf wie in der Geschichte der Weberin. Nach einer Weile kommt eine Taverne auf hunderten Füßen den Fluss herab gelaufen.
Lili klettert auf einen Baum auf Höhe der obersten Fenster. An einem offenen Fenster steht ein Krokodilmann der Pfeife raucht und Lili erlaubt bei ihm einzusteigen. Sie sind auf einer Balustrade, unten ihnen der Schankraum. Der Krokodilmann tauscht ein paar seiner Pfeifenkräuter für ein paar ihrer Beeren, die er einfach in seine Pfeife stopft. Der Wirt unten ist ein humanoider Frosch und lässt sich das Getränk für Lili mit etwas von ihrem Hunger bezahlen, denn solche menschlichen Dinge seien hier selten. Er sagt die Wandertaverne sei auf den Weg in den Sommer und will bescheid geben, sobald sie da sind. In der Luft tanzen durchscheinende Schlangenartige Drachen zur Musik und an einem Tisch spielen Elfen, die wie Jahreszeiten aussehen, ein Kartenspiel. Das Spiel ist brutal, denn wenn sie gegeneinander gelegt werden, werden sie Lebendig und die Gewinner-Karte schlachtet die Verliererkarte ab. Die Elfen fragen ob Lili mitspielen will, doch sie macht sich sorgen, dass die Karten Schmerzen haben. Die Elfen lachen und versichern, dass dan Karten nichts passiert. Lili spielt mit. Die Jahreszeitenelfen spielen um Einsätze. Eine Frau setzt den Morgentau und alle die folgenEin Mann setzt sein Erstgeborenes. Der letzte Mann holt vorsichtig einen in Kästchen und Seide verpackten verbogenen Eisennagel hervor. Alle am Tisch erstarren und lassen ein Raunen hören. Eisen aus der Menschenwelt ist das einzige, das hier verletzen kann. Lili fragt sich, wie es das mit den Raubtieren und Beutetieren dann wohl funktioniert, doch dann muss sie etwas setzen. Lili hat nichts vergleichbares, nu die Beeren und die Kräuter vom Krokodilmann, doch dann fällt ihr etwas ein, dass viel besser zu den Einsätzen passt. Lili setzt ihre falsche Feenmutter. Sie versteht nicht viel von dem Spiel besiegt aber trotzdem zwei der Mitspieler ohne es zu wollen bevor sie zu ihrem Glück gegen die letzte verbleibende Spielerin verliert. Iggi bestätigt, dass das Mutter und Tochterband nun weg ist.
Fortsetzung folgt…
Im Original der D&D Welt spielt dieses Buch in der Feenwildnis. In Details hat es außerdem Ähnlichkeiten mit „Alice im Wunderland“. Die Geschichte ist frei erfuden und enthält keine Spoiler zu offiziellen oder inoffiziellen Abenteuern aus D&D.
Inhaltsverzeichnis:
Vorwort des WH Verlags
Liebe Leserschaft,
die Orte in diesem Roman existieren nicht und auch die Handlung hat nie stattgefunden. Obwohl der Inhalt frei erfunden ist, wurde er aber durch reale Begebenheiten inspiriert. Auch etwaige Ähnlichkeiten zu lebenden oder verstorbenen Personen sind zwar kaum zu erkennen aber kein Zufall. Der WH Verlag weist daher darauf hin, dass der zu Verkaufszwecken gewählte Werbespruch „Basierend auf einer wahren Geschichte“ durch des Wort „basierend“ nicht falsch ist. Wir empfehlen von einer Anklage auf fehlerhafte Produktbeschreibung abzusehen.
Der WH Verlag wünscht viel Spaß beim Lesen.
Gez. Verlegerin Ixi Sprengschrift
Kapitel 01: Wie die Dinge sein sollten
Liliana hielt den Henkel ihres Korbes fest umschlossen, während sie mit Daumen und Zeigefinger der anderen Hand um so sanfter die Beeren pflückte, sie wollte es ganz richtig machen, genauso, wie es ihr die Mutter gezeigt hatte. Zuerst drückte sie die weichen Himbeeren noch etwas ein, doch mit der Zeit klappte es immer besser, als plötzlich ein weißer Vogel direkt neben ihr auf einem Ast landete. Sie sah ihn verwundert an, abgesehen von den Hühnern auf dem Hof, war ihr ein so zutrauliches Federtier noch nie begegnet und nun erkannte sie außerdem, dass es ganz nach einem Raben aussah, obwohl er die falsche Farbe hatte. ‚Das ist schon reichlich ungewöhnlich‘, ging es ihr durch den Kopf, doch sie hatte gerade weit wichtigeres zu tun, als über einen sonderbaren Vogel nachzudenken. Sie streckte die kurzen Arme nach einer weiteren Beere aus und gerade, als ihre beiden Finger sie zu Packen bekamen, da schnappte der Rabe ihr die kleine Frucht zwischen den Fingerspitzen weg. Das Mädchen starrte ihn kurz ungläubig an und konzentrierte sich dann auf die nächste Beere, doch auch diese verschwand im Schnabel des Federviehs, das sie mit einem Schluck herunter würgte. Statt sich mit dem wunderlicheren Vogel zu befassen, ging sie trotzig ein Stück um den Busch herum, weg von ihm und griff nach der nächsten Himbeere. Wie aus den Nichts, saß der weiße Rabe plötzlich wieder vor ihr und stahl auch die dritte Beere. „Mit dieser Einstellung verpasst Du das Leben, Mädchen“, krächzte er, sprang vom Busch auf den Boden und hüpfte davon. ‚Endlich ist er weg, dieser Störenfried‘, dachte Lili, doch etwas an dem, was er gesagt hatte ärgerte sie und erst da bemerkte sie, dass Vögel doch eigentlich gar nicht sprechen können sollten. ‚Na warte, dem erzähle ich was.‘ beschloss sie, sah sich nach dem Tier um und konnte gerade so noch erkennen, wie es hinter ein paar Büsche sprang. Sie rannte los, den Korb immer noch fest umklammert. Als sie die Büsche hinter sich gelassen hatte, da verschwanden die weißen Schwanzfedern schon hinter dem nächsten Grünzeug, der Vogel war ganz schön schnell, vor allem dafür, dass er doch eigentlich in die Lüfte gehörte. Liliana verfolgte das seltsame Tier hinter den nächsten Busch, den nächsten Baumstamm, das nächste Gestrüpp, immer weiter weg vom Dorf und den Leuten, die dort lebten und immer tiefer in den Wald hinein. Ein paar Mal glaubte sie den Vogel verloren zu haben, doch irgendwo tauchte seine hüpfende Hinterseite immer wieder auf, fast, als würde er sie absichtlich in die Wildnis locken. Als sie auf eine Lichtung stolperte, auf der sie das Tier wieder nirgends ausmachen konnte, blieb sie stehen und sah sich auf der freien Fläche um. Sie bemerkte, dass sie vollkommen die Richtung verloren hatte und keine Ahnung hatte, wie sie zurück zum Dorf und zum Hof finden sollte. Gerade als sie drohte in Panik zu verfallen, wurde sie von einer Bewegung im Augenwinkel abgelenkt, sie drehte sich um und dort verschwanden die weißen Schwanzfedern, die sie inzwischen schon viel zu gut kannte, gerade in einem Kaninchenbau. Langsam wunderte sie gar nichts mehr und so kroch sie kurzerhand, den Beerenkorb voran schiebend, in das Loch. Der Weg zurück war vergessen und es ging nun mehr nur noch vorwärts.
‚Hier kann ich mich immerhin nicht verlaufen.‘ dachte Liliana und so drang sie immer weiter in den Tunnel vor, bis sich der Boden unter ihr plötzlich auflöste und sie in ungewisse Tiefe stürzte. Sie fiel und fiel und konnte nichts sehen als Schwärze. Ihre Angst vor dem Aufprall wuchs zunehmend, doch als sie nach einer langen Weile immer noch nirgends angekommen war erlaubte sie sich die Hoffnung, dass sie womöglich gar nicht aufschlagen würde. Sie beschloss, dass sie damit bestimmt richtig lag, so tief konnte doch kein Loch sein, das ergab überhaupt keinen Sinn und wenn es eh keinen Sinn ergab, dann konnte es genauso gut auch nie enden. Erleichterung machte sich in dem Mädchen breit, sie würde also nicht sterben, das war gut. Doch dann nagte schon der nächste störende Gedanke an ihr. Würde das nicht bedeuten, dass sie, wenn die Himbeeren leer waren, irgendwann schrecklich hungrig werden würde, so wie im letzten Winter, der viel zu kalt und lang gewesen war? Und selbst, wenn sie die Bauchweh tapfer aushalten würde, würde sie dann nicht für immer fallen, bis sie so alt wurde wie der Opa und könnte in all der Zeit nichts anderes tun als zu warten? Vielleicht war diese Aussicht noch viel schlimmer, als ihre erste Befürchtung. Das Mädchen wollte losheulen und nach ihrer Mama rufen, doch da wurde sie auf einmal immer langsamer und unter ihr tat sich ein weißes Licht auf, zu dem sie nun sanft herab schwebte. Erst als ihre Füße auf dem hellen Grund aufsetzten, verflog die völlige Schwärze in der sie sich befunden hatte und sie erkannte, dass das grelle Licht in Wahrheit Schnee gewesen war. Sie stand in einer bitter kalten Winterlandschaft und kaum, dass ihr dies gewahr wurde, begann sie am ganzen Leib zu frieren. Sie liebte das lindgrüne Sommerkleid, das die Mutter ihr geschneidert hatte, doch jetzt wünschte sie sich wirklich etwas wärmeres. Zitternd schlang sie die Arme um sich und versuchte in der endlos erscheinenden Eiswüste einen Pfad oder einen anderen Hinweis zu entdecken, der ihr sagen konnte, in welche Richtung sie wohl ein Dorf und damit einen warmen Unterschlupf finden könnte. Der Rabe kannte den Weg sicher, doch wie sollte sie ihn in all dem Weiß nur wiederfinden? Ihr hatte doch von Anfang an nicht gefallen, dass er die falsche Farbe hatte und nun fühlte sie sich in ihrer Meinung erst recht bestätigt.
„Die Dinge sollten w-wirklich so sein, wie sie s-sein sollten,“ sprach sie ihre Frustration laut und bibbernd aus.
„So ein Quatsch, wieso das den?“ krächzte es zu ihren Füßen. Sie sah hinab und dort saß der weiße Rabe direkt vor ihr auf einer Scheewehe.
„Weil… weil dann k-kann man sich doch auf gar nichts mehr verlassen! Eben war es noch Sommer und j-jetzt ist es Winter, ich werde erfrieren“, wimmerte das Mädchen.
„Wenn es nur das ist, dann frier doch nicht.“
„A-aber ich habe doch gar nichts warmes anzuziehen, wie s-soll ich denn da aufhören zu f-frieren?“
„Du musst nur daran glauben“, erklärte der Vogel.
‚Der ist ja vollkommen übergeschnappt‘ dachte Lili, besann sich aber auf die ihr anerzogene Höflichkeit und fragte: „Gibt es denn keine a-andere Möglichkeit?“
„Du könntest auch weiter zum Frühling gehen.“
„Und in w-welche Richtung muss ich da?“
„Das ist eigentlich egal, Du musst nur daran glauben“, widerholte der Rabe. Da wurde es Lili zu bunt.
„Du muss daran glauben, Du musst d-daran glauben,“ äffte sie den weißen Raben nach. „Was s-soll dieser Blödsinn? Und warum hüpfst Du wie ein Hase, hast die f-falsche Farbe und wer hat Dir e-erlaubt zu reden? Raben fliegen, sind schwarz und reden NICHT! Und ü-überhaupt, was soll das heißen, dass ich das Leben v-verpasse? Das geht doch gar nicht! Ich bin doch mitten drin!“
„Das sind ziemlich viele Fragen. Ich bin übrigens Iggi.“ Das brachte das Mädchen ganz aus dem Konzept.
„Äh, Lili. Freut mich,“ stammelte sie.
„Freut mich auch Ählili. Also: Hilfreich sein. Weil alle machen können, was sie wollen. Niemand. Dass Du das Leben verpasst.“
„Was?“ Jetzt war Lili noch verwirrter.
„Das sind die Antworten auf deine Fragen.“
„Oh, ich w-weiß die Fragen aber nicht mehr.“ Ein Kälteschauder ließ das Mädchen am ganzen Körper erzittern und sie spürte ihre Füße, die tief im Schnee steckten schon längst nicht mehr. „Also, wie mache ich, dass ich nicht mehr f-friere?“ wechselte sie schnell das Thema.
„Wir sind in der Welt der Fae. Du musst nur daran glauben. Bisschen langsam, was?“
Lili überlegte, von Feen hatte sie schonmal gehört, aber sowas gab es doch nicht wirklich, oder? Und wenn doch haben die eine eigene Welt unter der Erde? Aber wenn das ewig tiefe Loch schon keinen Sinn ergeben hatte und dass sie jetzt im Schnee stand, dann könnte das vielleicht tatsächlich funktionieren. Das Mädchen schloss die Augen, und stellte sich ihren schönen warmen Wintermantel und die Stiefel vor und glaubte ganz fest daran, dass sie die Stiefel angezogen hatte um sich die Füße nicht im Gestrüpp bei den Beeren zu verletzen und dass sie den Mantel über den Korb gelegt hatte um die kleinen Früchte am Herausfallen zu hindern, ja das klang logisch. Sie öffnete die Augen wieder und da trug sie ihre Stiefel und der Wintermantel hing auf dem Korb. Sie zog ihn schnell an und schon fror sie kein bisschen mehr.
„Etwas plump, aber ein Anfang,“ kommentierte Iggi. Lili presste die Lippen zusammen um nicht wieder loszuschimpfen.
„Und wie komme ich jetzt wieder zurück?“ fragte sie, während sie zum Kaninchenbau über sich blickte, doch da war nur der verhangene Winterhimmel.
„Hier get es nicht zurück, nur vorwärts,“ antwortete der Rabe.
„Nicht zurück? Was soll das jetzt wieder heißen?“ Lili machte testweise einen Schritt nach hinten, das klappte zumindest. Sie hatte ganz vergessen, dass sie ihre Füße eigentlich gar nicht mehr gespürt hatte und nun waren sie wieder da, als wären sie nie taub gewesen.
„Das heißt, Du kannst nur vorwärts, vom Winter geht es weiter in den Frühling, niemals umgekehrt. Oder hast Du schonmal erlebt, dass nach dem Winter der Herbst kommt?“
„So? Also ist es hier doch, wie es sein sollte?“ Lili grinste, jetzt hatte sie den weißen Raben mit seinen eigenen Waffen geschlagen.
„Die Dinge sind immer, wie sie sein sollten, ganz besonders, wenn sie nicht sind, wie sie sein sollten,“ entgegenete dieser jedoch.
„Du bist doch vollkommen verrückt,“ stellte das Mädchen resigniert fest.
„Ich bin nicht verrückt, meine Realität ist bloß anders als Deine.“ sagte der Rabe. Lili gab es auf und versuchte auf den komischen Vogel einzugehen, alles andere schien ja doch nichts zu bringen.
„Und wie komme ich vorwärts wieder dahin wo ich hergekommen bin? Zu den Beerenbüschen am Waldrand beim Dorf, wo ich Dich getroffen habe?“
„Du musst nur daran glauben,“ wiederholte sich Iggi zum vierten Mal.
Lili atmete hörbar genervt durch die Nase aus, schloss aber wieder die Augen um daran zu glauben, dass vor ihr auf dem Boden der Kaninchenbau war, der sie nach Hause führte und den sie in all dem Schnee bloß noch nicht entdeckt hatte. Als sie die Lider wieder hob, da war dort tatsächlich ein Loch im Schnee.
„Schön schön, dann geh mal, viel Spaß dabei das Leben zu verpassen,“ nuschelte der Rabe, während sein Schnabel unter einem seiner Flügel klemmte. Dann drehte er Lili den Rücken zu und machte sich daran davon zu hoppeln.
„Schon wieder! Warum sagst Du das die ganze Zeit?“ rief das Mädchen ihm hinterher. „Warum verpasse ich das Leben?“
„Weil Du daran festhältst, dass die Dinge so sein sollten, wie sie sein sollten.“
Lili setzte zu einer Antwort an, doch da hörte sie plötzlich einen lauten Schrei ganz in der Nähe. Jemand brauchte eindeutig Hilfe, unter diesen Umständen konnte sie natürlich nicht einfach durch den Bau davon kriechen, da wäre die Mutter schön enttäuscht, wenn sie das erfahren würde. Und so ignorierte sie den weißen Raben, machte auf dem Absatz kehrt und stapfte so schnell es eben ging durch den Schnee auf den Wald zu, aus dem der Schrei gekommen war. Als sie schließlich um einen Nadelbaum trat hörte sie ein Wimmern und sah zugleich ein anderes Mädchen an einem zugefrorenen Fluss knien. Sie hatte etwa das selbe Alter wie Lili, war barfuß und die Säume ihrer groben sommerlichen Kleider waren zerrissen. Das kurioseste daran war jedoch nicht, dass sie allem Anschein nach nicht fror, sondern, dass mitten im Fluss ein eingeeister Frosch mit einer Krone auf dem Kopf saß, der doppelt so groß war wie sie. Das riesige Tier regte sich kein bisschen, während das Mädchen traurig dessen kaltes Kinn streichelte und immer wieder in schluchzende Heulattacken ausbrach. Allein bei dem Anblick, tat das Mädchen Lili so leid, dass sie ohne nachzudenken auf sie zuging und sie ansprach.
„Geht es Dir gut? Kann ich Dir irgendwie helfen?“ fragte Lili. Das fremde Mädchen sah sich nach ihr um und wischte sich die Tränen aus den Augen.
„Ich brauche nichts und für ihn kommt jede Hilfe zu spät,“ antwortet sie mit gebrochener Stimme. Dann wandte sie sich wieder dem Frosch zu und strich ihm weiter über das Kinn.
„Was ist mit ihm passiert?“ fragte Lili.
„Die böse Winterkönigin hat uns verfolgt und ihn eingefroren.“
„Die böse Winterkönigin?“ wiederholte Lili und sah sich um. „Und wo ist sie hin?“
„Nein, nicht nach Hin, ich glaube sie ist nach Dort gegangen.“ Das Mädchen zeigte in keinerlei Richtung sondern fing wieder an zu weinen.
„Nun komm, wir bringen Dich erstmal hier weg,“ beschloss Lili und hielt ihr die Hand hin um ihr hoch zu helfen. „Ich bin Lili und wer bist Du?“ fragte sie, in der Hoffnung sie etwas abzulenken.
„Ich bin die gute Sommerkönigin und das da, das ist mein Gemahl der König,“ sagte sie traurig. „Aber Du hast recht, wir sollten in den Sommer, in mein Reich, in dem es meinem Liebsten gut geht.“
„Oh, entschuldigt, ich wusste ja nicht, dass Ihr eine Königin seid,“ sagte Lili und machte einen Knicks. „Aber seid Ihr nicht noch ein bisschen zu jung um verheiratet zu sein? Und Ich dachte für ihn kommt jede Hilfe zu spät?“ wunderte sich Lili mit Blick zum eingefrorenen gekrönten Riesenfrosch.
„Wie alt man ist, das kommt ja immer darauf an, wann jetzt ist. Und ja, jede Hilfe kommt zu spät, aber nicht davor.“
Langsam beschlich Lili das Gefühl, dass alle an diesem Ort verrückt waren. Aber wenn alle verrückt waren, war verrückt dann nicht normal und sie war die Verrückte? Lili bekam Kopfschmerzen bei dieser verworrenen und blödsinnigen Schlussfolgerung und entschied sich lieber dafür, dass die Zeit hier bloß auch nicht so war, wie sie sein sollte und sie ganz bestimmt nicht verrückt war.
„Dann lass uns… in den Sommer gehen,“ forderte Lili die Königin auf.
„Gut,“ stimmte diese zu, ergriff nun endlich auch ihre Hand und ließ sich hoch ziehen.
„Und… wie kommen wir jetzt in den Sommer? Müssen wir nur daran glauben?“
„Ja, aber zuerst musst Du natürlich in den Frühling.“
„Natürlich…“
Lili überlegte, wie sie sich selbst glaubhaft machen sollte, dass sie in den Frühling ging, da kam ihr eine Idee. Sie nahm eine Himbeere aus ihrem Korb, grub eine kleine Mulde in den Schnee, legte die Beere hinein und schaufelte sie wieder zu. Dann stellte sie sich vor, dass die Zeit der Beere später war als jetzt, also umgekehrt als bei der Königin. Diesmal behielt sie die Augen offen, denn sie wollte unbedingt sehen, was passierte und da spross auch schon eine grüne Knospe aus dem Schnee, wurde schnell immer größer und bildete neue Triebe die in weitere Richtungen wuchsen bis ein ganzer Himbeerbusch vor ihnen stand. Selbst der Schnee unter der Pflanze verwandelte sich in grasbewachsene Erde. Lili nahm die Sommerkönigin an die Hand und nickte ihr zu. Die Königin nickte zurück und gemeinsam traten beide auf das Gras. In diesem Moment verschwand die Winterlandschaft um sie und Lili konnte den süßen Frühling schon riechen. Da sagte sie zu sich selbst: „Hier ist wirklich nichts, wie es sein sollte.“ Und sie freute sich darüber.
Kapitel 02: Zu viel des Guten
folgt…
Danksagung des Autors
Mein Dank gilt meinen zahlreichen Lesern und Leserinnen, denn jene ermöglichen es mir, mich ganz und gar meiner Leidenschaft für das Schreiben zu widmen. Des weiteren danke ich den Personen, die meine Wege kreuzten, für die Erfahrungen und Eindrücke, welche sie mir schenkten, denn unsere Wahrnehmung gebiert erst die Inspiration, die es uns allen erlaubt Neues zu schaffen.
Reiset wohl
Erelias Laubschatten