Die Scherbensammler

(Jahr 40)

In einer fremden und dystopischen Welt spielt „Die Scherbensammler“ in einer Großstadt, die von rivalisierenden Banden beherrscht wird, während die gesamte Existent in vollem Bewusstsein auf den unausweichlichen Untergang des Planeten zusteuert. Eine schwindende Gruppierung versucht Licht in eine Welt zu bringen, die alle Hoffnung verloren hat.

„Die Scherbensammler“ spielt hauptsächlich in einer der größten und kulturell vielfältigsten Städte einer fremden Welt. Im umfangreichen Regierungssystem der erdachten Stadt bekleiden unter anderem zwei mächtige Magierinnen besonders bedeutende Positionen. Beide haben wegen einer gemeinsamen Vorgeschichte einen Zwist miteinander, den sie in Ausübung ihrere Ämter jedoch professionel bei Seite legen.

Die Stadt ist unter anderem für ihre Abenteurergilde berühmt. Um sich eine Lizenz für diese zu verdienen finden sich das Dorfmädchen Luna Arends und die beiden Zwerge Baribur Eisenhammer und Dwindar Runenschlag zu einer Prüfungsgruppe zusammen. Ihr Aufgabe soll es sein die wilden Tiere zu finden und zu beseitigen, welche in den Bezirken außerhalb der Stadtmauern das Vieh reißen. Die Nachforschungen der Gruppe lassen sie jedoch in die Höhle eines Kultes stolpern. Dort wird das Vieh als Opfergabe für dunkle beschwörungsrituale geschlachtet. Die Gruppe kann die Kultisten und ihre beschworenen Untoten glücklicher Weise besiegen und entkommt knapp mit dem Leben. Die Abenteurerlizenz ist ihnen in jedem Fall sicher. Über die nächsten Jahre richten sich die frisch gebackenen Abenteurer häuslich ein, lernen sich kennen und stellen sich ihrer Wachsenden Erfahrung nach immer anspruchsvoller werdenden Aufgaben.

In letzter Zeit tauchen In der Stadt immer mehr Propheten auf, die vom Untergang der Welt predigen. Die Allgemeinheit tut diese als Spinner ab, denn es gab in dieser Metropole immer wieder die seltsamsten Gruppierungen Verrückter, die kamen und wieder verschwanden, ohne einen Fußabdruck in der Geschichte zu hinterlassen.

Eines Tages verdunkelt sich jedoch am hellichten Tag die Sonne. Am Himmel fliegt eine große schwarze Schlange mit Flügeln, welche die Sonne verdeckt. Wie riesig und wie weit entfernt diese tatsächlich ist, wird erst klar, als sie das Gestirn umkreist und die Sonne dann mit einem Mal verschlingt. Dies ist kein gewöhnliches Monster wie etwa ein Drache, es muss eine Urgewalt sein, welche weit über sterblichen Begrifflichkeiten exististiert.

Augenblicklich wird es kälter, nicht mehr als habe sich eine Wolke vor das wärmende Licht geschoben, doch den Bewohnern der Welt wird bewusst, dass sie alle dem Untergang geweiht sind. Magiekundigen zufolge, würde der Planet in einer Woche zu Eis gefrieren, wenn das magische Leyliniennetz ihn nicht noch mit wärme versorgen würde. Nach den Prognosen der Experten bleibt der Welt noch etwa 10 Jahre, bis das Leben an der Oberfläche unmöglich wird und etwas 10 weitere, bis die gesamte Existez ausgelöscht sein wird. Im darauf folgenden Chaos zerfallen Staaten und neue Organisationen gelangen an die Macht. In de Stadt, in welcher die Geschichte spielt, übernehmen die beiden mächtigsten Magierinnen aus der gefallenen Regierung zwei der größten rivalisierenden Verbrecherorganisationen, die Schlangen und die Raben und teilen die Stadt in zwei Bezirke auf, Auch kleinere Banden benaspruchen Teile der Stadt. Die Schlangen behaupten ihren Anspruch durch die Kontrolle furchterregender Bestien aus den Unterreichen, während die Raben Teufel beschwören.

Neben der Regierung zerfällt auch die Abenteurergruppe mit der die Geschichte begann. Luna muss um ihre Familie bangen, denn auf dem Land werden die Leute sehr viel kürzer aushalten können als in der Stadt. So gerät Luna in die Fänge der Schlangen, denn die Anführerin verspricht ihr die Familie in den Schutz der großen Stadt zu nehmen, wenn sie ihre Loyalität bewiesen hat. Dwindar, der die Schrecken des Unterreiches seid seiner Kindheit kennt, fürchtet, hasst und bekämpft schließt sich den Raben an um sich gegen seinen Erzfeind stellen zu können. Baribur jedoch gerät an einen weisen Mönch, den die Gruppe einst getrofen hatte, wie sich herausstellt, ist dieser Mönsch dabei eine Gruppe zu gründen, die er die „Liga der Hoffnung“ nennt und Baribur unterstützt ihn dabei die letzten guten Seelen für die Sache zu rekrutieren. Auch seine verlorenen Kollegen Luna und Dwindar holt er in die Gruppierung, sobald er diese ausfindig macht. Beide verschweigen ihr Doppelleben in den Organisationen in denen sie inzwischen viel zu tief drin stecken.

Die „Liga der Hoffnung“ hilft den Leuten wo sie nur kann, versucht das letzte bisschen Menschlichkeit in dieser chaotischen Welt zu bewahren und zu zeigen dass man auch ohne Plünderei, Gewalt und Mord überleben kann. Auf den Straßen wird die Liga dennoch hauptsächlich belächelt und im Volksmund nennte man sie „Die Scherbensammler“, denn was bringt es schon Zerbrochenes aufzulesen?

Fortsetzung folgt…

Im Original der D&D Welt spielt dieses Buch in einer Paralleldimension in Tiefwasser. Die Geschichte ist frei erfunden und enthält keine Spoiler zu offiziellen oder inoffiziellen Abenteuern. Die drei Hauptcharaktere dieses Romans wurden durch Personen inspiriert, die der Autor persönlich kennt. Also von Spielercharakteren aus D&D. Der Witz geht hier natürlich leider verloren, ohne dass man die Originale kennt.

Inhaltsverzeichnis:

Vorwort des WH Verlags

Liebe Leserschaft,

die Orte in diesem Roman existieren nicht und auch die Handlung hat nie stattgefunden. Obwohl der Inhalt frei erfunden ist, wurde er aber durch reale Begebenheiten inspiriert. Auch etwaige Ähnlichkeiten zu lebenden oder verstorbenen Personen sind zwar kaum zu erkennen aber kein Zufall. Der WH Verlag weist daher darauf hin, dass der zu Verkaufszwecken gewählte Werbespruch „Basierend auf einer wahren Geschichte“ durch des Wort „basierend“ nicht falsch ist. Wir empfehlen von einer Anklage auf fehlerhafte Produktbeschreibung abzusehen.

Der WH Verlag wünscht viel Spaß beim Lesen.

Gez. Verlegerin Ixi Sprengschrift

Kapitel 01: Die Rüstung

Der ewige Nebel waberte so dick über das Moor, dass der Boden kaum zu erkennen war. Das junge Ehepaar Arends stolperte bereits seit Sonnenaufgang durch das graue Meer. Ulrik prüfte vor jedem Schritt den Grund mit einem robusten langen Stock, während sich seine Frau Camilla hinter ihm an seinem Hemdzipfel festhielt, jeden Sohlenabdruck ihres Mannes nachtretend. So kamen sie nur langsam voran, stets einen Fuß breit von der tödlichen Umarmung des Morast entfernt. Die Hütte der Hexe lag tief im Sumpf, doch es kam nicht infrage umzukehren, zu wichtig war ihnen die Bitte, die sie der alten Gresilla vorzutragen hatten. Seit Jahrhunderten hauste die Vettel schon hier, so erzählte man es sich jedenfalls in dem Fischerdorf Schnitzhafen, in welchem die Arends lebten. Weiter hieß es, wer die Hexe um einen Handel bat, hatte mit einem hohem Preis zu rechnen. Eine stete Ungewissheit darüber, ob sie noch auf dem richtigen Pfad wandelten oder sich schon lange verlaufen hatten begleitete den Fischer und die Näherin auf ihrem unendlich erscheinenden Weg durch die schlammige Einöde. Sie mussten den ganzen Tag gelaufen sein, denn allmählich begann es zu dämmern. Die Arends wähnten sich schon verloren, denn dem Zauber der Irrlichter, die des Nachts aus dem Moor empor stiegen entging niemand so leicht, doch schließlich erblickten sie das Dach einer runden Hütte, das aus dem Nebel ragte. Vorsichtigen Schrittes legten sie die letzten Meter zu ihrer Bestimmung zurück und klopften acht mal an die Tür, wie es in den alten Legenden erzählt wurde.

Nach dem letzten Schlag schwang die Tür wie von Geisterhand auf und sie blickten in einen einzigen runden dunklen Raum. Die Wände waren mit Regalen ausgekleidet in denen allerhand seltsame Reagenzien Platz fanden. Von in Gläsern eingelegten Organen über Froschbeine und andere tierische Körperteile, bis hin zu einfachen getrockneten Kräuterbündeln. In der Mitte stand ein großer steinerner Altar, geschmückt mit einer Banderole und zahlreichen Kerzen. Zwei Holzstühle waren vor dem Alter platziert worden, ansonsten schien der Raum leer. Kein Bett, keine Küche nicht einmal ein Kamin oder Ofen, dennoch war es warm in der Hütte, der nasse Sumpf und der Nebel, der unter jedes Kleidungsstück drang waren wie vergessen. Aus dem Schatten hinter dem Altar sprach die raspelnde Stimme der alten Hexe zu ihnen, ihre Gestalt war nur als Schemen zu erkennen.

„Nehmt Platz, Camilla und Ulrik Arends. Ihr seid gekommen um die alte Gresilla um einen Gefallen zu bitten, ihr habt sie gefunden.“ Zögerlich folgten die beiden der Aufforderung, Camilla fand als erste ihre Stimme wieder.

„E-ehrwürdige Gresilla, wir sind nur ein armer Fischer und eine einfache Näherin, wir haben nicht viel, was wir Euch anbieten könnten, dennoch sind wir hier um demütigst um Eure Hilfe zu bitten.“ Die Hexe verschränkte die Finger beider Hände vor sich und stützte die Ellenbogen auf dem Altar ab. Als sie sich vorbeugte tauchte ihr Gesicht in den Schein der Kerzen ein, ihre Züge waren so alt wie ihre Stimme, zahlreiche Falten zogen sich tief durch die fahle Haut.

„Mir ist bekannt wer ihr seid, niemand, der den Sumpf betritt wird je ein Geheimnis vor mir haben können. Seid euch daher gewiss, dass ihr immer noch im Moor umherirren würdet, hätte ich mich nicht längst dazu entschlossen euch den Kinderwunsch, der euch zu mir trieb, zu gewähren. Unter einer Bedingung jedoch, denn wie ihr selbst sagt, habt ihr mir sonst nichts anzubieten, ihr werdet euch für diesen Zauber ganz genau an meine Anweisungen halten müssen.“

„Was genau müssten wir tun, um diese Gunst zu erhalten?“ brach nun auch Ulrik sein Schweigen.

„Ihr werdet nur Mädchen haben und zwar genau fünf an der Zahl.“ gab die Hexe ohne große Umschweife Antwort. „Das Ritual an sich ist einfach und harmlos, solange ihr es fehlerfrei durchführt.“

„Das ist alles?“ Camilla wirkte erleichtert und auch Ulrik entspannte sich etwas „Das ist mehr als wir zu hoffen gewagt hatten.“ erklärte er. Seine Frau stimmte zu „Ob Mädchen oder Jungen, das soll uns nicht kümmern, wir wünschen uns bloß eine große glückliche Familie. Und das… Ritual ist wirklich nicht kompliziert oder verlangt… schwer aufzutreibende Materialien?“ Sie sah sich schaudernd im Raum um.

„Ich werde euch die Utensilien die ihr benötigt mitgeben. So soll es denn sein, nun hört mir gut zu, was ihr zu tun habt, damit der Zauber gelingt, oder euer Glück wird schnell verwirkt sein.“ Auf dem Altar vor ihnen stand plötzlich eine hölzerne Schachtel, die zuvor nicht da gewesen war, dessen waren sich die Arends sicher.

„Öffne das Kästchen,“ wies Gresilla die Näherin an, ihrem Mann schien sie ohnehin nicht viel Aufmerksamkeit entgegen zu bringen. Camilla tat wie geheißen und schubste den Deckel von dem Behälter, etwas besorgt darüber, welche widerwärtigen Reagenzien sie zu Gesicht bekommen würde. In der Schachtel lagen jedoch bloß fünf einfache Strohpuppen.

„Legt im Abstand von drei bis vier Jahren zu Vollmondnächten je eine der Strohpuppen in ein Kinderbett und zur Geisterstunde wird sich an ihrer statt ein Säugling in der Liege einfinden,“ fuhr die Hexe fort. „Wagt es jedoch nicht, den Zauber in einer falschen Nacht oder frühzeitig durchzuführen oder ihn gar abzubrechen. Solltet ihr nicht alle fünf Zauber in der vorgegebenen Zeit anwenden, so werden sich eure Töchter wieder in Strohpuppen zurück verwandeln und ihr werdet sie niemals wiedersehen können. Sobald das letzte Kind in der Liege erschienen ist, ist der Zauber vollendet und ihr könnt sorgenfrei leben. Der Preis, den ihr zu Zahlen habt ist der, dass ihr euch für mindestens fünfzehn Jahre verpflichtet um das Ritual durchzuführen.“ Die Arends hörten aufmerksam zu, dann sahen sich die Vermählten an, ihre Gesichter strahlten und sie nickten sich zu.

„Wir werden uns an die Anweisungen halten.“ versprach Camilla und sogleich rutschte die Kiste über den Altar in ihren Schoß.

„Dann geht nun.“ Sprach die Hexe und während die beiden von ihren Stühlen aufstanden und sich schon zu fragen begannen, wie sie lebendig durch den Sumpf zurück finden sollten, nun da es dunkel geworden war und die Irrlichter sicher bereits ihr Unwesen trieben, verblasste die Hütte samt Gresilla um sie her und sie standen am Rand des Moores.

Die Arends blickten zu dem kleinen Fischerdorf Schnitzhafen am Sumpf empor, in dem sie lebten und das nun vor ihnen lag, als wären sie nie weg gewesen. Etwas verwirrt begaben sie sich auf den Weg zu ihrem Haus. Das einzige, was noch von ihrer Begegnung mit der Hexe kündete, war die fortgeschrittenen Zeit und das Kästchen mit den Strohpuppen, das Camilla in Händen hielt. Noch in der nächsten Vollmondnacht legte das Paar die erste Puppe in das verwaiste Kinderbett, das nun schon mehrere Jahre erfolglos auf einen kleinen Bewohner gehofft hatte. Alles begab sich, wie die Hexe es vorausgesagt hatte und zum zwölften Glockenschlag verwandelte sich die Strohpuppe vor den Augen der überglücklichen Eltern in ein schreiendes Baby. Sie nannten ihre erstgeborene, dem Mond zum Dank, Luna. Denn die Mondphasen schienen bei dem Unterfangen ja eine wichtige Rolle zu spielen, die angeblich so böse Hexe hielten sie vortan für eine Auserwählte der guten Mondgöttin.

Das Ehepaar wollte das Ritual so schnell wie möglich vervollständigt und ihre Töchter in Sicherheit wissen, daher ließen sie sich für jeden Zauber kaum mehr als drei Jahre Zeit. Und so zählte die Familie neben Camilla, Ulrik und Luna nach zwölf weiteren Jahren noch Aurora, Samara, Yua und Agata. Sicher, im Dorf wurde getuschelt, wie es sein konnte, dass die Arends nach anfänglichen Schwierigkeiten nun doch fünf Töchter geboren hatten und woran es wohl lieben möge, dass man Camilla jeweils Monate vor den Geburten nicht mehr zu Gesicht bekam, doch die Arends kümmerte es nicht. Als die Mädchen sich entwickelten und schnell offensichtlich wurde, dass sie sich in keinster Weise von den anderen Kindern des Dorfes unterschieden, verebbten die Befürchtungen, dass die böse Gresilla, deren Legende hier jeder kannte, ihre Hände im Spiel haben könnte. Auch die hässlichen Gerüchte über fruchtbarere Frauen oder Männer – jeder erzählte hier, was ihm besser gefiel – hörten auf, als zudem äußerlich erkennbar wurde, dass die Töchter ihren beiden Elternteilen äußerst ähnlich sahen, die eine mehr der Papa die andere mehr die Mama. Letzteres überraschte selbst die Arends positiv. Als ihre letzte Tochter das Licht der Welt erblickte atmeten sie erleichtert auf, von nun an waren sie auf der sicheren Seite und mussten nicht mehr um ihre Kinder bangen und das Kästchen mit den Puppen hüten, als hänge ihr Leben davon ab. Eine große Last viel von ihren Schultern, die Hexe hatte Recht behalten, die jahrelange Angst, dass etwas schief laufen könnte, war ein hoher Preis, doch es hatte sich gelohnt.

[…]

Sieben glückliche Jahre später, war Luna Arends, die älteste der Töchter, an einem Morgen wie jedem anderem, im Begriff in die Stube hinunter zu gehen um das Frühstück vorzubereiten. Vor nicht ganz einer Woche hatte sie ihren 19. Geburtstag gefeiert. Das Mädchen war zu einem tüchtigen jungen Dame herangewachsen, sie ging ihren Eltern so gut zur Hand wie sie konnte. Sie half beim Fischen, beim Nähen, im Haushalt und auch mit der Erziehung von Agata, die mit einem Alter von 6 Jahren die jüngste der Schwestern war. Die zweitälteste, Aurora würde bald 16 werden. Im Gegensatz zu ihr, war Luna selbst in diesem schwierigen Alter immer brav gewesen und hatte sich vorbildlich an die Regeln, die ihr ihre Eltern beigebracht hatten gehalten. Sehr zu deren Freude, was ihr eine Menge Lob und auch die ein oder andere Belohnung einbracht hatte. Luna liebte ihre Eltern über alles und auch ihre Schwestern waren ihr das Wichtigste auf der Welt. Sie war schon lange reif genug, dass die Kabbeleien aus Kindertagen für sie vergeben und vergessen waren, aus ihr war ein liebevoller Familienmensch geworden. Umso erschütternder war es für Luna, als sie am Treppenabsatz stand und Camilla und Ulrik unten streiten hörte, das erste mal in ihrem Leben. Sie wusste nicht weiter und so blieb sie unfähig sich zu bewegen schlicht dort stehen, hier konnte sie nur leider jedes Wort verstehen.

Ihre Eltern stritten um zu wenige Einnahmen und unnötige Ausgaben. Es war nicht schwer zu erraten, dass sie Geldsorgen hatten, die sie nun in Tiraden von Schuldzuweisungen aufeinander abwälzten. Der letzte Winter sei hart gewesen und wollte man den Jüngern Wintergöttin glauben, die immer häufiger durch das Dorf zogen, so würde der kommende noch schlimmer werden. Sparen, sparen, sparen sei die Devise. Die Kornspeicher seien nicht annähernd so gefüllt, wie sie es im zehten Monat sein sollten und auch die Fische, von denen das Dorf größtenteils lebte, bissen angeblich immer seltener, oder war Ulrik nur faul geworden? Zudem hätten sie fünf Töchter durchzufüttern, von denen drei noch keine große Unterstützung bei der täglichen Arbeit wären und die älteste hatte immer noch nirgendwo eingeheiratet. Und so ging es immer weiter, bis Luna es nicht mehr aushielt.

Sie stürzte die Treppe hinunter, vorbei an der Stube, vorbei an ihren Eltern und hinaus aus dem Haus nur weg von hier, so weit sie konnte. Luna rannte und rannte ohne darauf zu achten, wohin sie lief, bis sie plötzlich in ein Schlammloch trat. Sie zog ihren Fuß schnell zurück und erst da bemerkte sie, dass sie bis zum Sumpf gelaufen war, der sich nun vor ihr erstreckte und den Weg ihrer jähen Flucht versperrte. Sie ließ sich auf die Knie fallen und begann bitterlich zu weinen, dass die Tränen in Strömen flossen. So verharrte sie, bis sie plötzlich eine sanfte Stimme in ihrem Inneren vernahm, die beruhigend auf sie einredete.

„Aber, aber, wer wird denn gleich weinen? Lass mich dir helfen und alles wird gut, das verspreche ich dir.“ Luna blickte sich nicht um, sie wusste instinktiv, dass die Stimme von dem Armband stammte, dass sie schon seit vielen Jahren trug und an ihrem 16. Geburtstag irgendwo hier in den Ausläufern des Morasts gefunden hatte. Es war ein schlichter, wertloser Metallreif, doch irgendwie gefiel er Luna und sie hatte ihn behalten. Warum sie sich so sicher war, dass es das Schmuckstück war, das jetzt zu ihr Sprach war ihr ein Rätsel, doch es erschien ihr so klar und deutlich.

„W-wie? W-wie kannst du mir helfen? W-was muss ich tun?“ flüsterte Luna und hielt sich ihren rechten Arm mit dem Reif dabei vors Gesicht.

„Ich gebe dir Stärke und die Fähigkeit der Zauberei. Was du damit anfängst ist ganz dir überlassen. Aber sei dir sicher, dass deine Familie keinen Hunger leiden muss, wenn du deine neuen Talente gut einsetzt, nicht jeder kann Magie wirken, man kann gutes Gold damit verdienen. Was sagst du?“ Luna überlegte nicht lange.

„Ja, natürlich! Wenn ich damit machen kann was ich will und keine Regeln brechen muss, dann auf jeden Fall! Danke, liebes Armband!“

„Ich bin alles andere als ein Armband, erschrick jetzt nicht, ich werde mich verwandeln.“

Und noch ehe Luna ihr Nicken beenden konnte, sprossen aus dem Reif zahlreiche filigrane Metallbänder hervor, die sich über ihren gesamten rechten Arm, bis hinauf zur Schulter wickelten und sich perfekt an ihren Arm anpassten. Nun trug sie eine äußerst hübsche Vollpanzerung, die ihren kompletten rechten Arm schützte und in ihrer Hand erschien kurz darauf ein Kurzschwert. Das Mädchen staunte nicht schlecht und bald verwandelte sich die Rüstung wieder in das unscheinbare Armband zurück.

[…]

Die nächsten Tage verbrachte Luna vermehrt am Sumpf, sie fand schnell heraus, dass sie wie durch Zauberhand mit dem Schwert umzugehen wusste und da fiel ihr das Flugblatt von der Dorftafel wieder ein. In der großen Stadt wurden Abenteurer gesucht die Bezahlung war gigantisch, sie konnte in kürzester Zeit zu Reichtum gelangen und den Eltern ihre Sorgen nehmen. Dann würden sie nicht mehr streiten und sie brauchte sich nicht schlecht zu fühlen, dass sie niemanden kannte, den sie heiraten wollte. Mutter und Vater hatten ihr so viel gegeben, nun war es an ihr ihnen etwas zurück zu geben.

[…]

Luna erzählte ihren Eltern, dass sie einen wohlhabenden Mann in der Großstadt finden wolle und die Familie verabschiedete sie herzlichst, als sie aufbrach. Die heimliche Abenteurerin verließ das Dorf mit dem selben Versprechen, das auch der Reif ihr gegeben hatte, alles würde gut werden.

[…]

Einige Zehnttage später, an ihrem 16. Geburtstag, fand Aurora, die zweitälteste, ein schlichtes Fußkettchen am Rand des Sumpfes. Es war nichts besonderes, doch es gefiel ihr und sie behielt es. Es war ihr Geburtstag und so ein Geschenk durfte man doch nicht ablehnen. Aurora legte das Schmuckstück an und freute sich darüber wie gut es ihr stand. In ihrer Hütte tief im Moor rieb Gresilla sich die Hände, schon zwei der fünf Mädchen waren ihr ins Netz gegangen und immerhin war sie nicht die Einzige ihres Zirkels, die an diesem Projekt arbeitet, vielleicht würde es dieses Jahr noch so weit sein.

Kapitel 02: Der Hammer

[…]

Kapitel 03: Die Flinte

[…]

Kapitel 11: Die Hoffnung stirbt zuletzt

[…] (Notiz: Alles mit Primara weg lassen)

Danksagung des Autors

Mein Dank gilt meinen zahlreichen Lesern und Leserinnen, denn jene ermöglichen es mir, mich ganz und gar meiner Leidenschaft für das Schreiben zu widmen. Des weiteren danke ich den Personen, die meine Wege kreuzten, für die Erfahrungen und Eindrücke, welche sie mir schenkten, denn unsere Wahrnehmung gebiert erst die Inspiration, die es uns allen erlaubt Neues zu schaffen.

Reiset wohl
Erelias Laubschatten