Die Märchenjäger
(Jahr 36)
In einer fremden Welt erzählt „Die Märchenjäger“ die Geschichte von drei ungleichen Personen, die sich jeweils auf ihrer eigenen, persönliche Mission befinden. Es scheint jedoch so, dass ihre Wege dazu bestimmt sind sich zu kreuzen. Ehe sie sich versehen werden sie zu einer waschechten Abenteurergruppe und retten die Welt vor einem uralten Übel.
Die Geschichte beginnt mit dem jungen Adligen Richardo von Hohenross. Sein Adelsgeschlech fiel wegen eines Verrates, welches es angeblich begangen haben soll, beim Königreich in Ungnade. Sein Vater und Bruder stellten ihr Leben in den Dienste des Königreiches um das alte Ansehen des Hauses zurück zu erlangen. Der Vater war schon länger tot, doch nun erielt Richardo die Nachricht vom Tod seines Bruders, der ebenfalls im Diesnte des Königreiches starb. Getrieben von Wut leistet Richardo einen Racheschwur und wird von irgendeiner Macht erhört. Mit neuen Fähigkeiten macht sich der selbst ernannte Rachepaladin ohne jeden Anhaltspunkt auf herauszufinden, wer die wahren Schuldigen des Verrates sind.
In einem Dorf wird er gebeten verschleppte Bewohner aus einer Höhle zu retten. In der Höhle trifft er schon nach den ersten besiegten Gaunern auf die Gefangenen und befreit diese. Draunter auch eine angebliche Schneiderin mittleren Alters Namens Olgaria Vogelsang, die jedoch nicht aus den Dorf stammt und behauptet schon immer in der Höhle gelebt zu haben. Die Frau wirkt generell verwirrt und erweist sich im folgenden Kampf als überraschend nützlich und magisch begabt. In der Höhle will sie nun aber nicht mehr bleiben sondern auf Reisen gehen. Richardo vermutet dass die Verwirrung der Frau gespielt sein könnte. Neugierig geworden, sagt er nichts und bietet ihr an sich ihm anzuschließen.
… Fortsetzung folgt
Im Original der D&D Welt spielt dieses Buch an verschiedenen Orten der Schwertküste. Die Geschichte enthält Spoiler zum offiziellen Abenteuer „Die verlorenen Mine von Phandelver“. Die drei Hauptcharaktere dieses Romans wurden durch Personen inspiriert, die der Autor persönlich kennt. Also von Spielercharakteren aus D&D. Der Witz geht hier natürlich leider verloren, ohne dass man die Originale kennt.
Vorwort des WH Verlags
Liebe Leserschaft,
die Orte in diesem Roman existieren nicht und auch die Handlung hat nie stattgefunden. Obwohl der Inhalt frei erfunden ist, wurde er aber durch reale Begebenheiten inspiriert. Auch etwaige Ähnlichkeiten zu lebenden oder verstorbenen Personen sind zwar kaum zu erkennen aber kein Zufall. Der WH Verlag weist daher darauf hin, dass der zu Verkaufszwecken gewählte Werbespruch „Basierend auf einer wahren Geschichte“ durch des Wort „basierend“ nicht falsch ist. Wir empfehlen von einer Anklage auf fehlerhafte Produktbeschreibung abzusehen.
Der WH Verlag wünscht viel Spaß beim Lesen.
Gez. Verlegerin Ixi Sprengschrift
Kapitel 01: Der Zerrissene
Die Tage waren kurz hier in dem schmalen Tal eingepfercht zwischen dem Wald im Westen und den hohen Bergen im Osten. Und nun im Winter waren sie noch kürzer. Als die Sonne am späten Morgen über die Berge lugte und das Dorf Hohenross allmählich in diesiges Licht tauchte, stand der junge Adlige an einem der Fenster des langen Ahnenganges und sah der Lebensspenderin entschlossen entgegen. Richardo von Hohenross war kaum ein Mann und doch umgab ihn eine Ausstrahlung von Bedeutsamkeit. Das dichte, schwarze Haar reichte ihm bis auf Kinnlänge hinab und umrahmte so das markante Gesicht eines stattlichen Nordmannes. Unter seinen ausdrucksstarken Augenbrauen stachen helle, blaue Augen hervor in denen sich wohl ein jeder verlieren mochte, denn sie waren so klar, dass man das Gefühl bekam den Himmel selbst durch sie erblicken zu können. Seine kantigen Gesichtszüge und einige gepflegte Stoppeln ließen den Jungen älter wirken als die Achtzehn Winter die er tatsächlich zählte. Die eindrucksvolle Erscheinung wurde von einem trainierten Körperbau und entsprechend definierter Muskulatur vollendet, die sich unter der feinen Kleidung die er trug klar erkennbar abzeichnete.
Der junge Herr war die halbe Nacht die Rüstungen und Gemälde des Ahnenganges entlang geschritten. Teure Geschenke hochrangiger Adelsfamilien und Portraits namhafter Mitglieder der Familie von Hohenross kündeten hier vom längst vergangenen Ruhm des Hauses. Selbst die imposante Burg erschien nunmehr unbedeutend und leer. Sie war an einer Seite eingefallen und notdürftig repariert worden und beherbergte seit über einem Jahrzehnt nur noch einen Bruchteil der einstigen Dienerschaft. Zu unrecht in Ungnade gefallen, von der Welt zunächst verstoßen und anschließend vergessen, hatte das Haus Hohenross seither keinerlei Bedeutung mehr im politischen Gesamtgefüge der Schwertküste erreichen können. Doch Richardo konnte das nicht hinnehmen. Nicht, nachdem er wegen eines Verrates, den seine Familie niemals begangen hatte ohne Vater und Mutter aufwachsen musste und erst recht nicht, nach der erschütternden Neuigkeit, die ihn am Vortag erreicht hatte. ‚Selbst die Sonne blickt so selten auf uns herab, dass sie uns vergessen haben muss,‘ dachte Richardo finster, während er über das Unrecht nachsann, welches seiner Familie – nein welches ihm – zugefügt worden war.
Richardos Vater hatte seinen Lebtag damit zugebracht im Namen der herrschenden Obrigkeit, die seine Familie einst verstieß, die waghalsigsten Aufgaben zu übernehmen um den Ruf des Hauses von Hohenross wieder rein zu waschen. Als der junge Richardo gerade fünf Jahre alt war, da lies sein Vater bei einer dieser Unternehmungen sein Leben. Seine Mutter war darauf in endlose Trauer versunken und zu einer ständigen seelische Belastung und Erinnerung an den Verlust, den sie alle erlitten hatten geworden. Für ihn und seine Geschwister war es, als wäre auch sie an diesem Tag von ihnen gegangen. Während Richardos älteste Schwester die Rolle der Familienführung übernahm, trat sein älterer Bruder in die Fußstapfen des Vaters, kaum dass er kräftig genug war um ein Schwert zu halten. Der naive Esel hatte es sich zur Aufgabe gemacht die Bestrebung seines Vaters für ihn fortzuführen und seinem Haus Ehre zu bringen. Es glich einem Wunder, dass der junge Bursche die ersten Jahre im Dienste der Krone überlebte. Womöglich hatte man auf Grund seines Alters aber auch nur Rücksicht auf ihn genommen. Gestern jedoch ereilte Richardo die Nachricht vom Heldentod seines Bruders, der nun vollends dem Beispiel seines Vaters gefolgt war. Nun hatte der junge Herr von Hohenross nur noch seine beiden Schwestern, doch wie lange noch? Würde dieses Unglück jemals ein Ende nehmen. Sein Vater und sein Bruder hatten es auf dem versöhnlichen Wege versucht und waren kläglich gescheitert. Ihr gesamtes Leben opferten sie einem Herren, der ihre Hingabe nie zu schätze wusste. Das Ziel auf das sie hingearbeitet hatten wäre ihnen auch ohne ihr vorzeitiges Ableben auf ewig verwehrt geblieben, da war er sich sicher. Hatte seine Familie nicht genug gelitten? Es war Zeit, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen… auf seine Weise!
[…]
Die Symbolik des Tyr ließ sich schon Zeit seines Lebens in der gesamten Burg wiederfinden und Tyr erhörte den jungen Herren als er Rache schwor. Richardo war nun auserwählt das Unrecht ungeschehen zu machen, die wahren Schuldigen zu entlarven und sie ihrer gerechten Strafe zuzuführen, davon war er überzeugt. Er würde das ehrwürdige Schwert „Klaue“, ein Erbstück seiner Familie, im Blut der Unreinen baden und seinem Haus Ehre erweisen. Der Krieger des Lichts würde den Namen Hohenross von neuem erstrahlen lassen, die gerechte Rache war nun auf seiner Seite!
Kapitel 02: Die Herrin der Einhornhöhle
„Die Höhle des Einhorns“, in geheimnisvollem Raunen auch oft „Die Höhle“ genannt, war für viele nicht mehr als ein Mythos. Es hieß, an diesem verborgenen Ort, würde einem jede körperlich sinnliche Fantasie erfüllt, so ausgefallen sie auch sein möge. Nur wenige wussten um die tatsächliche Existenz der Einhornhöhle und selbst diesen war ihr Standort unbekannt. Für jene Auserkorene stellte sie ein außerordentlich nobles und begehrtes Etablissement dar. Ein Besuch hätte einem einfachen Arbeiter sein gesamtes Lebensersparnis gekostet. Den Göttern sei Dank, trieb sich derlei Gesindel natürlich nicht in den Gemäuern oder auch nur in der Umgebung des entlegenen Lustschlosses umher. Denn aus eben diesem Grund hatte die Herrin des Anwesens, Lady Olgaria von Vogelsang, ja auch alles in dieser Weise eingerichtet. Sie wollte ausschließlich die nobelsten und vor allem die wohlhabendsten Kundinnen und Kunden in ihrem Hause wissen.
Am heutigen Abend stand die Lady erwartungsvoll in einer der zahlreichen Empfangshallen ihres Freudenschlosses. Sie legte großen Wert darauf, dass zu keinem Zeitpunkt ein Gast einem anderen begegnen konnte. Generell duldete sie keinen Umstand, der das Ansehen der Quelle ihres unermesslichen Reichtums hätte mindern können. Die Herrin hatte sich an der auffälligsten Stelle der Treppe positioniert, welche die gesamte Rückwand des Raumes einnahm: Auf dem mittleren Absatz, gleich bevor sich die schwarzen Marmorstufe zu beiden Seiten aufteilten um sich verspielt hinauf ins obere Geschoss zu winden. Hier oben über den beiden elfenbeinernen Einhornstatuen, die ihre Kundschaft am Fuße der Treppe willkommen hießen, und doch nah genug am Empfangssaal, kam – wie sie fand – ihre Stellung und ihre verboten anziehende Schönheit am besten zur Geltung. Olgaria war eine schlanke Südländerin mit perfekt proportionierten Kurven. Ihr feingezeichnetes Gesicht beherbergte sinnlich geschwungene, tiefrote Lippen, mandelförmige Augen mit langen, dunklen Wimpern und einen hinreißenden Schönheitsfleck auf der rechten Wange. Ihr kräftiges, schwarz glänzendes Haar trug sie wie immer offen, so floss es in sanften Wellen verführerisch über ihre entblößten, schmalen Schultern. An diesem Abend trug sie ein ganz besonderes Kleid, denn es galt einen neuen, adligen und extrem reichen Kunden aus dem Bankwesen zu beeindrucken. Olgarias Gewandung war die neuste Kreation aus ihrer eigenen Hand: Ein bodenlanges Stoffwunder aus feinster bordeauxroter Seide mit schwarzer Spitze. Der hautenge Schnitt und das durchsichtige Material konnten zwar ohnehin kein Detail ihres Körpers verbergen, dennoch besaß das Kleid einen hüfthohen Seitenschlitz im Rock und ein tiefes, schulterfreies Dekolleté. Lady Vogelsang wusste gekonnt mit ihren Reizen zu spielen, so war ihr Bein in der eleganten Pose, die sie gewählt hatte, frei von jeglichem Stoff und eine zierliche aber kostspielige Rubinhalskette lenkte den Blick in ihren formschönen Ausschnitt.
Wie auf ein unsichtbares, magisches Zeichen hin, erschienen nun zwei kaum bekleidete junge Männer in der Empfangshalle. Wie alle Kleidungsstücke des Hauses, waren auch ihre Kostüme von Lady Olgaria selbst entworfen worden. Die jungen Männer öffneten die beiden Flügel des imposanten Eingangstores in eben jenem Moment, als draußen ein prunkvoll gekleideter Herr mittleren Alters aus der fensterlosen Ebenholzkutsche stieg, die ihn an seinem Wunschort abgeholt hatte. Der Mann betrachtete das Etablissement einen kurzen Augenblick während er sich durch den angegrauten, dreieckigen Spitzbart fuhr. Das hohe Schloss erinnerte in seiner dunklen Farbe und der vieleckigen Grundform, die auf die separaten Raumsegmenten zurückzuführen war, von außen tatsächlich ein wenig an einen Berg, in dessen Innerem sich eine Höhle befinden mochte. Für einen kurzen Moment blitzte ein schiefes Lächeln im Antlitz des betuchten Herren auf und ließ die Enden seines starr geometrisch geschnittenen Schnauzers wippen, bevor er das Lustschloss schließlich forschen Schrittes betrat.
„Willkommen in der Höhle des Einhorns, wo Eure verbotensten Fantasien wahr werdn.“ begrüßte ihn Lady Olgaria mit einem bezaubernden Lächeln auf den Lippen. Ihre Worte wurden dem Kunden auf magischem Wege derart dargeboten, als stünde sie direkt vor ihm, während ihre tatsächliche Figur anmutig die Treppe hinab schritt um noch immer über dem Gast throned auf den untersten Stufen stehen zu bleiben.
„Daran habe ich, bei dem Anblick, der sich mir hier bietet, schon jetzt keinen Zweifel mehr.“ entgegnete er in vielsagender Stimmlage, während er die aufreizende Dame vor und über sich ohne Zurückhaltung von oben bis unten musterte. Lady Olgarias Lächeln wurde noch breiter, der Zauber ihrer Schönheit, hatte einmal mehr seine Wirkung entfaltet, sie hatte den Mann bereits in der Tasche, und dabei waren ihre Tricks noch gar nicht zum Einsatz gekommen.
„Welch Seelenwunsch wohnt dem Herzen eines so charismatischen und gutaussehenden Mannes, wie Ihr es seid, inne? Sprecht es frei heraus, und Euer Begehren soll erfüllt werden.“
„Nun,“ sprach der Herr, „ich erträume mir eine Jungfrau in ihrer Hochzeitsnacht, gehüllt in ein weißes Kleid.“ Natürlich, was auch sonst, dachte Olgaria, ohne sich jedoch das geringste Bisschen von ihrer Langeweile anmerken zu lassen. Die Aussicht auf das hübsche Sümmchen, welches der Kunde hier lassen würde, beflügelte sie nach wie vor.
„Ihr dürft gerne noch genauer werden, an diesem Ort werden Träume wahr.“
„Genaugenommen, könnten es auch zwei Jungfrauen sein… am besten Zwillinge.“ fuhr er fort. Olgaria bedeutete ihm mit eleganter Handbewegung weiter zu reden. „… mit prallem Busen und schmalem Gesäß.“ Die Herrin gestikulierte ihm weiterhin freundlich zu. „…und mit blonden Locken, und tiefbraunen Augen.“ Allmählich klang der Herr etwas ungläubig ob der Vorstellung, dass es hier tatsächlich zwei Mädchen geben sollte, die so exakt auf seine Beschreibung passen würden. Doch er hatte ihr bereits genug Zeit verschafft und so drehte sich Lady Olgaria in elfenhafter Anmut auf ihren hochhackigen Schuhen einmal um sich selbst, und für einen Wimpernschlag war dort oben auf den Stufen ein Einhorn zu sehen, das sich auf seinen Hinterbeinen aufbäumte. Als der Zauber vorbei war, glitten zwei der zahlreichen schweren, roten Samtvorhänge, welche die Wände des Empfangssaals zierten, beiseite und gaben den Blick auf Konchen frei, in denen die beschriebenen Damen in Hochzeitskleidern standen. „Sie … sie sind wunderschön.“ flüsterte der Herr.
Wie aus einem Munde säuselten beide zugleich: „Vielen Dank für Euer schmeichelndes Kompliment, mein ehrenwerter Bräutigam.“ Der Kunde betrachtete die beiden Frauen genauer und staunte umso mehr.
„Selbst ihre Körper, ihre Stimmen, ihr Verhalten, ihre Gesichtszüge und jedes kleinste Detail entspricht dem, was ich in Gedanken vor mir sah.“ brachte er atemlos hervor. Lady Olgaria lächelte, sie war höchst zufrieden mit der Arbeit ihrer Gestaltwandler. Die Fähigkeit dieser Wesen die unmittelbaren Gedanken des Gegenübers lesen zu können war ihre ganze Geschäftsgrundlage. Zweifelsohne sahen die Mädchen genauso aus, wie sie sich der Lustmolch vorgestellt hatte. Und auch alles Folgende würde die Gabe der Gestaltwandler von hier an regeln. Zum Glück waren ihre Goldesel zu wahrer Verwandlung statt bloß einfacher Illusion fähig und so würde der Herr und auch alle anderen Kundinnen und Kunden niemals die unapetitliche wahre Form der dürren grauen Gesichtslosen bemerken.
„Die Lustgöttin selbst muss Euch gesegnet haben, werter Herr“ entgegnete Lady Vogelsang mit einem Zwinkern. „Mögen die folgenden Stunden die erfüllendsten sein, die Ihr je erleben durftet. Nehmt Euch alle Zeit, die Ihr möchtet.“ Wir rechnen stundenweise ab, ergänzte sie in Gedanken. Und mit diesen Worten verschwand Lady Olgaria von Vogelsang in einem Glitzerregen. Die zauberhaften Frauen aber führten ihren frischgebackenen Ehemann die Treppe hinauf zu einer der unzähligen Türen, die oben den Gang säumten. Dahinter lag die Hochzeitssuite. Welch unerwartete Wahl, stellte die Herrin ironisch fest, da sie die Szenerie immer noch beobachtete. Sie selbst war besonders stolz auf den dunklen Raum mit allerlei Folterinstrumenten und auf das Atelier mit extravaganten Pinseln und Lebensmittelfarben in verschiedensten Geschmacksrichtungen, doch solch ausgefallene Vorstellungen hatte sie von einem derart fantasielosen Kunden ohnehin nicht erwartet.
[…]
Das Glück hatte die Einhornhöhle verlassen, oder wohl eher ihre Herrin. Mehr und mehr der Gestaltwandler verließen das Schloss, und selbst das Gemäuer begann zu bröckeln. Lady Olgaria wurde sich allmählich gewahr, dass etwas mit ihrem Vertrag oder ihrem Vertragspartner geschehen sein musste. Nun bangte sie um ihren Reichtum, ihre ewige Jugend und Schönheit und um ihre Macht. Ihr war bewusst, dass sie sich alsbald um einen weiteren Handel mit einem neuen Wesen bemühen musste, doch sie hatte nur begrenzt Zeit und dieses Mal würde sie sicher nicht alles bekommen, was sie wollte.
Kapitel 03: Der flinke Flitzer
Zusammenfassung: Das Kapitel handelt von einem Halbling, der den Namen „Konfuzad Flitzeflink, der Klügere“ trägt. Das erfundene Volk zu dem er gehört liegt wohl von der Körpergröße irgendwo zwischen Gnom und Mensch. Zunächst werden Einblicke in fröhliche Kindheitserinnerungen an den Großvater des Jungen gegeben. Die glücklichsten Momente zeigen Konfuzad gemeinsam mit seinem Großvater in dessen Feinschmecker-Restaurant. Es wird klar, dass der Mann Konfuzads einziger lebender Verwandter und seine wichtigste Bezugsperson ist. Der Junge teilt den Enthusiasmus des alten Halblings für gutes Essen und dessen Zubereitung. Die Handlung springt einige Jahre in die Zukunft zum Ableben des geliebten Großvaters. Am Sterbebett gibt er das Familiengeheimnis an den noch sehr jungen Konfuzad weiter. Ein paar magischer Stiefel, die es dem Träger erlauben enorme Distanzen in kürzester Zeit zurückzulegen und die anscheinend auch mit dem Ableben der Eltern von Konfuzad in Verbindung stehen. Mit seinen letzten Worten „Nutze sie weise“ verlässt der Großvater die Welt und bleibt Konfuzad einige Antworten schuldig. Der Junge verbringt einige Jahre in einem Mönchskloster um dort Weisheit zu erlangen und so dem letzten Wunsch seines Großvaters gerecht werden zu können. In diesem Zuge erhält er auch seinen Titel „Der Klügere“ den er sich, wie sich herausstellt, selbst gegeben hat. Nach einigen Jahren des Meditierens und Lernens wird Konfuzad sich seiner Bestimmung bewusst. Damit hat er den wichtigsten Schritt in seiner Mönchsausbildung erreicht und schließt diese kurz darauf ab. Konfuzad zieht aus um allerlei Rezepte zu sammeln vom einfachsten Bauernschmaus bis hin zum extravagantesten Königsmahl. Sein Ziel ist es das Restaurant mit der größte bekannte Auswahl an Gerichten zu eröffnen und mit den magischen Stiefeln den ersten Lieferdienst der Weltgeschichte ins Leben zu rufen.
[…]
Kapitel 12: Die Schlacht der Elemente
Der sonnige Morgen des 15. 01. verhieß ein angenehmer Tag zu werden. Umso mehr lies sich schon zur frühen Stunde das Murren aus den Geschäften vernehmen, denn die ersten Sonnenstrahlen seit Einbruch des Winters würde heute wohl kaum jemand genießen können. Die Leute feierten den Festtag des „Zählens“ und würden diesen wie jeher drinnen mit Inventurlisten und Zahlen verbringen, bis sie die Nummern am Abend in ihre Träume verfolgten. Doch wer würde die dynamische Göttin des Handels enttäuschen oder gar verärgern und den eigenen Wohlstand aufs Spiel setzen wollen für nichts weiter als das angenehme Kitzeln auf der Haut, welches eine erste Ahnung des doch noch so weit entfernten Frühlings brachte. Obwohl jeder diese Entscheidung selbst für sich traf, so hielt es das Volk der Handelsstadt am großen Wegekreuz doch nicht davon ab ihrem Unmut geräuschvoll Luft zu machen. Sie hätten sich sicher zurück gehalten, hätten sie gewusst, dass eine Fügung des Schicksals ihnen heute mehr als genug Auslauf bescheren würde, jedoch keine glückliche.
[…]
Im Parkviertel tobte eine Schlacht der Elemente. Auf den Hausdächern tanzten Magmakreaturen und drohten die ganze Stadt in ein loderndes Flammenmehr zu verwandeln. Die Gefahr wurde durch die beiden gigantischen Feuerriesen, die sich über den Hausdächern am Westrand der Stadt aufbäumten, nur noch unmittelbarer. Doch die Stadt würde nicht kampflos untergehen. Vom Teich des eben noch grünen Viertels aus bekämpfte ein mächtiger Wasserelementar das Feuer mit sprühendem und wogendem Nass. Die Tropfen nahmen die Asche und den Schwefel aus der Luft auf, vereinten sich zu feuchter Erde und bildeten eine Schicht flammenlöschender und -erstickender Masse die bald das gesamte Viertel in ein düsteres Grau hüllte. Erdgeborene Gargoyles, beschworen durch den ansässigen Magier, stürzten sich von den Zinnen des imposanten Turms in der Mitte des Sees auf die kleineren Magmakreaturen und hoben sie in windige Höhen um sie von dort hinabfallen und auf dem Boden in abertausende Glutscherben zerschellen zu lassen. Zwischen alledem schwebte der Herr der Gargoyles wie ein gestaltgewordener Avatar der Luft und strafte das einfallende Feuer mit Blitzen und Eisstürmen so kalt wie sein gefrorenes Herz. Wasser, Erde und Luft erhoben sich gemeinsam um dem übermächtigen Feuer beizukommen und allmählich, so schien es, gewannen sie mit vereinten Kräften die Oberhand.
[…]
Übersäht von tiefen Schnittwunden aus denen das Blut in Strömen hervorquoll klammerte sich der Riese der Angreifer an die Mauer die ihn in der Stadt hielt. Er fand im tiefsten Inneren seines flammenden Herzens einen Funken Kraft um sich auf die groben Steine zu stützen und noch ein letztes mal der Liebe seines Lebens nachzusehen, sich zu vergewissern, dass wenigstens sie entkommen konnte. Die Riesin jedoch war seinem Flehen ohne ihn zu gehen nicht nachgekommen, zu innig waren die beiden miteinander verbunden so viele Äonen schon. Sie stand einige Kilometer außerhalb der Stadt und starrte gebannt auf die Mauer, wartete auf ihren Liebsten. Als sich dieser schließlich im Sterben liegend über das zusammengemörtelte Geröll hievte und sie den Anblick seines Leidens ertragen musste, da durchfuhr ein markerschütternder Schrei die in Qualm und Feuer gehüllte Stadt. Die Riesin stürmte dem Lebensinhalt ihres Herzens entgegen obwohl sie sich gewahr war, dass sie nicht mehr für ihn tun konnte. Als er mit einem Lächeln auf den Lippen in ihren Armen davon schied, ließ sie sich bereitwillig von den Verteidigern der Stadt niederstrecken um ihm in die Ungewissheit zu folgen. Wie lächerlich, dachte sie mit ihrem letzten Atemzug Und das alles für ein Stück Metall.
Kapitel 13: Die Gestalt des Wassers
[…]
Danksagung des Autors
Mein Dank gilt meinen zahlreichen Lesern und Leserinnen, denn jene ermöglichen es mir, mich ganz und gar meiner Leidenschaft für das Schreiben zu widmen. Des weiteren danke ich den Personen, die meine Wege kreuzten, für die Erfahrungen und Eindrücke, welche sie mir schenkten, denn unsere Wahrnehmung gebiert erst die Inspiration, die es uns allen erlaubt Neues zu schaffen.
Reiset wohl
Erelias Laubschatten